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Echtes Wissen entsteht langsamer

Einen Auftrag gepackt, Rechnung geschrieben und ausgeliefert. Mittlerweile weiß ich langsam etwas besser, wo die Pflanzen stehen. Aber bei besonderen Sorten muß ich immer noch nachfragen, besonders bei den Gräsern. Die sind sich einfach zu ähnlich.
Die Bewässerungsanlage für den Winter vorbereitet und dann Sempervivum gejätet. Ich hocke im Regenschauer und spüre den böigen Wind, wie er um die winddichte Jacke streicht. Die Krähen surfen lauthals schreiend auf den Windwellen vor den großen, laublosen Bäumen. Ich habe keine Ahnung, keinen Zukunftsplan, ich weiß nur, daß es mir sehr gut geht, trotz etwas Halsweh.

Momentan freue ich mich daran, all diese unterschiedlichen Dinge erfahren zu können. Nicht nur die Arbeit mit Pflanzen, im Freien, sondern auch das Verkaufen, die Kundenkontakte, die geschäftlichen Arbeiten im Büro, die Organisation. Wo hätte ich sonst die Chance, das alles (Einzelhandel, Einkauf, Wiederverkauf, Lagerhaltung, Verkäufer, Baustellen, gärtnerische Arbeit an den Pflanzen, usw.) zu erfahren.

Kurz habe ich mich mit einer Landschaftsgärtnerin unterhalten, die gerade im Schaugarten fotografierte. Sie macht viele unterschiedliche Dinge, einen Gartenführer herauszugeben, für Gartenmagazine zu schreiben, Vorträge zu halten, Gartengestaltungen und -beratungen anzubieten, usw. Seit Ihrem Kind arbeitet sie nicht mehr auf Baustellen, sagt sie. Diese ruhige Ausgeglichenheit, die positiven Aussagen, in den letzten Jahren sei das Interesse an Pflanzen, Gestaltung und Planung gestiegen und hätte sich verfeinert, Ihre Zuversicht, Selbständigkeit und auch, das alles auf diese Art von einer Frau zu hören, tat gut. Mit Frauen kann ich viel eher und leichter auf der Gefühlsebene sprechen, wenn es um Gärten und Pflanzen geht.

Gerade ergeben sich auch noch zufällig ein paar kleinere Jobmöglichkeiten, mit denen ich noch etwas verdienen kann im Winter. Ich bin zwar noch davon entfernt, in irgendeiner Hinsicht auf eigenen Beinen stehen zu können, aber das Ganze braucht auch etwas mehr Zeit. Hier geht es nicht, daß ich einfach einmal einige Wochen irgendetwas pauke. Es geht hier um Erfahrungen und nicht nur um Faktenwissen. Ich bringe das ganze Wissen gar nicht in den Kopf, selbst wenn es z.T. in den Büchern steht. Aber alles gibt es dort längst nicht. Viele Tricks, Details, Feinheiten und das Wissen, wie etwas zu tun ist, gibt es nur in den Menschen und im praktischen Tun. Echtes Wissen kommt nur langsam, mit der Zeit, mit dem Erleben.

Arbeit und Freiheit

Heute morgen fühlte ich mich sehr klar und in Ordnung. Als hätte das Ausruhen und das Putzen des Hauses von oben bis in den Keller gestern auch etwas in mir aufgeräumt.

Eine Unklarheit bei der Antwort, die ich an F. geschrieben hatte, ging mir noch im Kopf herum: ich hätte mich nicht getraut, z.B. halbtags zu arbeiten. Ich wäre es mir nicht wert gewesen. D.h. ich hänge noch an einer Leistungs- und Sklavenideologie. Dann zählt nicht, wie gut ich etwas mache oder wie gerne, sondern daß ich überhaupt arbeite und v.a. solange wie üblich. Ich käme mir eben nicht wertlos vor, sondern faul, wie ein Betrüger an der Gesellschaft. Genau das ist Inneres-Mich-Richten (Ausrichten von meinem Denken an dem anderer) – die Ursache der Sklavenmentälität (Ich vermute sogar, daß das im weltweiten Vergleich in Deutschland mitunter am schlimmsten verbreitet ist, neben z.B. Japan.) Um davon loszukommen hilft es, klar zu sehen, wer denn wirklich etwas darum gibt, was ich tue. Wenn ich sterben würde, würde auch niemand nach mir fragen – also bin ich ganz allein selbstverantwortlich. Ich habe nichts mit einer Gesellschaft zu tun und es gibt auch keine Erwartungen, die ich zu erfüllen hätte – außer ich ordne mich dem aus Hilflosigkeit freiwillig unter (es reicht eine beliebige Zeitung aufzuschlagen, um unzählige Beispiele zu bekommen, wie allgemein über Gesellschaft gesprochen und gedacht wird, v.a. wie automatisch unterstellt wird, dem gar nicht erst entgehen zu können. Als wäre ich in einer Zwangsehe mit dieser „Gesellschaft“). Der Begriff „Gesellschaft“ an sich ist ja schon nur eine abstrahierte Vorstellung ohne einen wirklichen Bezug. Diese Verstandesanteile kann ich jetzt verabschieden, wenn sie klarwerden.

Zu Arbeit sehe ich folgende Lösungen: Entweder ich arbeite möglichst so, daß ich in einem Bruchteil meiner Zeit meinen Lebensunterhalt verdienen kann und den Rest für eigene Beschäftigungen habe (ich kenne einen Künstler, der immer wieder einmal seinen ungeliebten alten Job als technischer Übersetzer aufnimmt, um dann wieder längere Zeit seinem Interesse nachzugehen). Oder ich habe eine Arbeit, die ich liebe, um dann gar nicht erst „arbeiten“ zu müssen (das ist eine Idealvorstellung, die sicher nur für wenige erfüllbar ist). Oder ich arbeite für jemanden und bekomme noch andere Vorteile für mich heraus – z.B. bestimmte Erfahrungen, die ich machen möchte. Das Wichtige dabei ist immer zu wissen, wieso ich etwas tue.

Das Ziel, sich vom Verstand zu lösen

Diese Müdigkeit war heute morgen immer noch da. Jetzt hatte ich aber wirklich genug geschlafen. Ich ging laufen, die Luft machte es etwas besser. Nach dem Frühstück war ich schon wieder müde.

Ich hatte mich dann festgelesen in einer Zeitschrift des Alpenvereins. Die Beschreibung einer Expedition und die Schilderungen von extrem schwierigen Besteigungen zog mich völlig in den Bann. Ich bekam allein beim Mitlesen schon feuchte Hände. Und doch geht es trotz aller spektakulärer Höchstleistungen allen auch hier immer um den einen Punkt. Einer der jungen Bergsteiger sagte im Interview, er hätte es diesmal sogar dreimal erlebt, für einen Moment „alles zu vergessen“. All diese Anstrengungen, um sich für kurze Momente vom Verstand zu lösen. Im Kern geht es bei allen extremen Gipfelerfahrungen immer um diesen Moment, auch wenn etwas anderes vorgeschoben wird. Nur daß das hier induziert ist, nicht selbst verstanden, nicht in den Alltag mitnehmbar. Und sobald dieser Höhepunkt einmal erreicht wurde, muß danach die Dosis erhöht werden, um noch eine größere Ekstase zu erleben, denn die alte ist beim Wiederholen schon lau geworden. Ich weiß das sehr gut, denn ich bin auch auf Berge gestiegen und habe DIE Naturerfahrung gesucht, in immer neuen Varianten. Tatsächlich habe ich sogar ein paar Mal gefunden, was ich suchte, unvergessliche Momente, Einheit, Stille, Frieden, Freude und Zufriedenheit. Aber es war eben an diesen unsäglichen Aufwand gebunden (Planung, Reise, Anstrengungen, Beschwerlichkeiten – ganz wichtig, ohne die geht es nicht, Gefahren, Selbstüberwindungen, und die Ekstase hinter der eigenen Schallmauer oder eine unberührte, überwältigende Umgebung). Dann die Traurigkeit, davon getrennt zu sein, die Ohnmacht und das Wissen, ohne das nicht leben zu können, gleichzeitig das weder bis in alle Ewigkeit auf diese Art weitertreiben zu können und zu wollen.

Nach der Lektüre war ich irgendwie aufgekratzt und berührt gleichzeitig. Mir war sehr klar, daß keine noch so schöne, große oder extreme Erfahrung den Stellenwert haben kann und an die existentielle Qualität und Bedeutung heranreicht, um die es wirklich geht in diesem Leben.

Ich machte mich dann an Haushaltserledigungen, die ich gestern verschoben hatte, als ich zu meinen Eltern fuhr wegen eines Geburtstages. Dabei fiel diese Müdigkeit dann endgültig weg und sie schien doch nur eine Ablenkung gewesen zu sein. Dann hatte ich noch ein paar Briefe fertigzumachen. Nachdem ich ein kleines Büchlein ausgelesen hatte, las ich noch etwas bei Adalbert Stifter. In dem Moment sah ich mich klarer, wie der Verstand die Worte aufnahm, wie die Gefühle mitschwangen, wie ich dort saß und etwas tat. Für einen kurzen Moment passierte das alles in mir, wie von selbst, aber ich war das nicht, sondern ich beobachtete mich genau wie die Umgebung. Es sind solche seltenen, kurzen Schimmer, wenn die Identifizierung mit dem Verstand nachläßt. Aber genau verstehe ich es nicht, wie das funktioniert.

Unklare Müdigkeit

Ich habe es wahrscheinlich noch nie so stark erlebt im Herbst. Ich könnte die meiste Zeit einfach schlafen, wenn ich nicht arbeite, bzw. wenn ich erfüllt habe, was ich am Tag vorhatte. Diese Woche war das schon dreimal passiert. Ich bin nicht sicher, ob hier nicht noch tiefer etwas versteckt ist. Etwas wie „Verschlafenheit“, also nicht einstehen wollen, sobald ich für mich allein bin. Ich weiß es nicht. Es ist einfach nur sehr auffällig, und ich schreibe es auf. In mir ist eine große Ruhe. Von anderen ist ja bekannt, daß sie im Zusammenhang mit Selbsterkenntnis irgendwann sagen, sie wollten gar nichts mehr, usw. Momentan fühle ich mich fast so. Aber ich vermute, bei mir ist das eher eine Ausrede und ein Zurücksinken. Wieso sollte ich mich auch zurückziehen können und wollen, wenn ich noch nicht einmal richtig gelebt habe.

Selbstverantwortung und Ausdruck

Heute morgen empfand ich es so, daß es völlig egal ist, was ich tue – überhaupt, in meinem Leben. Das hat mich ziemlich niedergeschlagen. Es wird nie etwas dafür herausspringen, etwas mit Liebe und Aufopferung zu tun. Mir wurde dabei klar, daß ich noch viel tiefer auf etwas hoffe, das von außen kommen soll. Daß sozusagen jemand mir etwas zurückgibt nur aufgrund dessen, daß ich liebe oder einen Wert habe, wie jeder andere. Ich bin immer noch abhängig. Es war wie eine Entzugserscheinung. Es ist gut, diese Abhängigkeiten und das falsche Warten und Hoffen aufzugeben. Dann bleibe ich näher bei mir, nüchterner und klarer.

Es wächst dadurch auch eine Kraft, meine eigenen Interessen zu verfolgen. Mir fiel in dem Zusammenhang auf, daß genau das für mich schon immer schwierig war. Aber was nützt ein philosophisches, theoretisches Wissen oder auch Empfinden von meinem eigenen Wert. Um in der Welt zu existieren, muß das auch konkret werden. D.h. ich muß mich mitteilen können. Ich muß klar erklären, darstellen und dafür einstehen können, was mich bewegt und was mir wichtig ist. Ich muß hinausgehen, statt nur etwas für mich zu machen und vor allem: es nur in meinem Kopf zu ventilieren.

Heute war sehr viel Arbeit zu tun. Meine Liste war voll und ich arbeitete sehr konzentriert den ganzen Tag. Mittlerweile übernehme ich immer mehr verantwortliche Aufgaben, v.a. wenn das Büro unbesetzt ist. Dann treffe ich Entscheidungen und muß aus Mangel an Erfahrung improvisieren, z.B. was und wie mit der teuren, importierten Jungpflanzenbestellung passieren soll, oder ich weise einen Fahrer mit einem Kranwagen ein, was er wie tun soll, usw. Es ist gut, etwas zu haben, um Gewissenhaftigkeit und Verantwortung in die Tat umzusetzen und die spürbaren Auswirkungen zu erleben.

Solange es unter der Oberfläche ernsthaft zugeht, geht es mir gut. Dann kann ich auch mit anderen freudig umgehen. Ansonsten spüre ich sofort ein schmerzhaftes Brennen, sobald nur schon ein Anflug von Ablenkung, allgemeinem Alltagsunsinn oder ungelösten persönlichen Problemen auftaucht. Es geht mir dann sofort schlecht. Die Lösung ist dann nur ein echter Anhaltspunkt. Kann ich die Situation verlassen oder beeinflussen, z.B. kann ich mit der anwesenden Person zu einer Einigung kommen, die meinem Empfinden gerecht wird. Was in solchen Situationen wirkt, ist wie ein Kompaß, der nach innen zeigt. Ich finde das gnadenlos und nicht so hübsch wie das vielleicht klingt. Gerade ist das wieder sehr stark und ich bin dann froh, wenn ich allein sein kann, sobald die ernsthafte Arbeit getan ist.

Ich meine, es braucht genau diese beiden Teile, um tiefer zu gehen: Aktivität mit dem Besten was ich habe (also Ausdruck) und auf der anderen Seite Sammeln, Zurückkommen, Beschäftigung mit der Schule, konsequentes Ausschließen von allen Einflüssen, die ablenken und verfälschen. Nur beides zusammen tut gut. Das eine geht ohne das andere nicht, bzw. bleibt einseitig und fruchtlos. Nach meinem Verständnis geht Gurdjieffs Wissen und Sein auch in diese Richtung.

Selbstliebe statt Geliebt-werden-Wollen

Gestern rief mich nochmal der frühere Auftraggeber wegen des Software-Projekts an. Ich sagte, daß ich weder an dem Projekt interessiert sei, noch Zeit dafür habe, was der Wahrheit entsprach. Er hätte mich aber schon beim Kunden (dem Konzern) angemeldet und einen Auftrag eingeholt nach einer Vorbesprechung vor einiger Zeit, bei der ich vage einer kurzen Projektmitarbeit zugesagt hätte. Das habe ich getan, als ich tatsächlich noch damit rechnete, diese Arbeit zu machen, um Geld zu verdienen für das nächste Jahr. Mittlerweile war aber einiges passiert und in mir ist etwas so fest geworden, daß ich es nicht mehr übergehen kann. Es ist keine Überzeugung oder sonst irgendetwas Gedankliches. Als ich mit dem Mann sprach, wurde mir das noch klarer. Sobald ich nur ernsthaft daran dachte, dort wieder hinzugehen, hatte ich ein starkes, unangenehmes Brennen im Bauch und fühlte mich wieder völlig hilflos und verloren. Es ist eine Empfindung, die ich sehr gut kenne, aber nur in einer leichteren, dafür ständig anhaltenden Variante. Dem stand ich immer hilflos gegenüber. Ich weiß jetzt mit Sicherheit: Das ist mein Gewissen, und das ist nicht nur ein Gefühl, sondern das ist jetzt eine ganz direkte Wahrnehmung, fast wie von einem Sinnesorgan. Wenn ich dem nicht folge, dann schmerzt es körperlich und seelisch.

Er versuchte es dann mit Bauchpinseln, was mich nicht interessierte. Dann zog er es auf die mitmenschliche Ebene, ich würde ihm dort Schaden verursachen durch meine unklare Vorausplanung (wobei er typischerweise immer von „Wir“ sprach und was „wir“ tun sollten). Fast hätte ich mich sogar erweichen lassen, auszuhelfen, als ich an den damaligen Kollegen dachte, mit dem ich mich menschlich und technisch gut verstand. Aber viel wichtiger war, daß durch meine Sicherheit plötzlich die wahren Verhältnisse von selbst herauskamen. Ohne jemand, der die Arbeit macht, gäbe es diese Verwalter und Dienstleister gar nicht. Ich kritisiere nicht diese Strukturen, aber für mich kam das ganze großkotzige Verhalten von den „Arbeitgebern“ heraus. In Wahrheit bin ich (und andere wie ich) derjenige, der die Arbeit, die Lebenszeit, die Anstrengung, die Liebe gibt. Und die, die davon profitieren, fahren dann mit den Cabriosportwägen herum, während sie nur die durchlaufenden Posten an Arbeitszeit verrechnen.

Durch meine Sicherheit in meiner Position war er plötzlich der Bittsteller, nicht ich derjenige, der um Arbeit fleht. Genau der Unsinn wird ja auch überall verbreitet. So als müßte man Arbeit suchen – das ist die Sicht für die Sklaven und Schafe. Was will ich denn bitte mit Arbeit? Ich will keine Arbeit, ich will Befriedigung. Und das ist kein Geld, kein Handschlag und keine goldene Uhr zur Rente, sondern das ist etwas, das ich ganz allein für mich erlebe.

Nein, ich bin nicht neidisch oder wütend auf „die“. Ich ärgere mich nur, viel zu lange in diesem ganzen Spiel mitgemacht zu haben. Ich habe versucht, dort unterzukommen, mich irgendwie einzufinden, zu arrangieren. Dabei habe ich mich verkauft, während ich selbst immer noch das Beste aus mir herausgeholt habe, ohne wirklich etwas dafür zu bekommen. Etwas Beständiges, Solides. Und weil ich das nicht hatte, hatte ich sehr viel Angst. Ich stand nicht auf eigenen Beinen und schwebte irgendwo ganz oben im Kopf und in Vorstellungen herum. Ich bin nicht schwindel-frei. Ich wußte immer, daß das für mich so nicht bleiben kann.

Was ist das, dieses Mich-verkaufen? Es ist, mein Empfinden gegen Geld einzutauschen, das die direkte Befriedigung kompensieren soll. Seit ich als Gärtner arbeite, gibt es genau das wieder, jeden Tag: Befriedigung. Und ich bade in dieser Befriedigung, ich atme sie. Ich will nur das für mich. Und dann gibt es ganz echte, ganz einfache Freude, allein bei der Arbeit, zusammen mit anderen, gegenüber Kunden, zusammen mit den Kunden, mit Zulieferern, mit anderen, etc. Es zieht sich durch alles hindurch und nimmt auch Streitigkeiten, Beschwerden und Schwierigkeiten auf, weil viel weiter unten etwas für mich stimmt. Das mag sich ändern, wenn die wirtschaftliche Situation vielleicht sehr schwierig wird, aber es gibt jetzt gerade nichts Besseres, nichts, das ich lieber erleben würde, nichts wo ich mich echter und mit dem Leben in Kontakt fühlen würde. Ich will nur diese Liebe, und das ist konkret und fühlbar, nicht abgehoben, nicht projiziert. Es ist so echt, daß ich, so wie heute, kaum weiß, wohin damit.

Nochmal genauer hingeschaut bin ich immer einem hinterhergelaufen: Zurückgeliebt zu werden. Ich wurde nicht zufällig Programmierer. Es begann mit einem eigenen Interesse und persönlicher Befriedigung beim Herumspielen und Entdecken dieses komplizierten Geräts. Doch das war sofort mit der Hoffnung verbunden, etwas Nützliches oder Erfreuliches damit machen zu können, das anderen hilft oder sie erfreut. Ein erstes größeres, abgeschlossenes Projekt war ein Klon eines Video-Spiels, das mein Vater mochte. Ich schenkte ihm das einmal bei einer Gelegenheit auf einer Diskette. Ab dann interessierten mich nur noch nützliche Programme. Meine größte Befriedigung war es, jemanden zu sehen, der ein Programm von mir bediente und etwas dabei entdeckte, das ihm gefiel oder ihm half. Diese Detailverliebtheit (jemand könnte es auch abwertend Nerd-haftigkeit oder Perfektionismus nennen; aber es ist eigentlich ein Ausdruck von Liebe) habe ich dann an Zukunftsträume und äußere Instanzen in Form von Firmen abgegeben. Die haben sich es gutgehen lassen damit. Und ich habe immer gearbeitet und gearbeitet und mich gefragt, wo die Befriedigung bleibt. Die war doch schon so lange verloren gegangen und ich lief immer noch dort herum und wurde immer leerer.

Wahrscheinlich ist es ziemlich naiv, auf diese Art und Weise Liebe zu suchen. Das ist die Liebe eines Kindes gegenüber den Eltern, die einem Schutz und Nahrung geben. Wenn diese Sicht und Herangehensweise in der Welt enttäuscht wird, ist das nicht schlecht, denn dann fällt gleichzeitig der „Glaube an Eltern“ bzw. deren Ersatz und damit an Autoritäten weg. Es gibt dann keine Obrigkeit mehr, sondern nur Menschen in ihren Funktionen. Sich dann intellektuell zum Kritiker aufzuschwingen von anderen, vom System, usw. ist nur Ablenkung von mir selbst. Habe ich denn die Frage für mich selbst beantwortet, wie ich lebe? Wenn, dann interessieren mich nur noch Menschen, die innerlich selbständig sind. Die anderen hängen eben an dieser Fragestellung, selbst wenn sie Minister oder sonst wer sind (die „dort oben“ haben sogar in den meisten Fällen am allerwenigsten von etwas Eigenem). Diese selbständigeren Menschen habe ich zwar früher auch schon wahrgenommen, aber es ist jetzt so, als ob ich eine Art eigene Grenze überschritten habe und dazugehöre, statt nur sehnsüchtig auf sie zu blicken. Es ist sogar, als gäbe es eine Art geheime Verbundenheit zwischen den Menschen, die selbst etwas haben oder tun. Sie erkennen sich gegenseitig, sie respektieren, befruchten und inspirieren sich gegenseitig.

Aber nochmal im Überblick. Liebe ich mich selbst und folge dem, dann habe ich auch mit äußerlicher Liebe kein Problem. Das ist so einfach und naheliegend, daß es nur verwunderlich ist, wie etwas wie „Nächstenliebe“ erfunden werden kann und als müßte das dann auch noch verbreitet werden. Suche ich im anderen Fall die Liebe irgendwo als Dankbarkeit oder sonst eine Art Entgegenkommen eines anderen, mag es ein Partner oder eine Arbeit oder sonst etwas sein, dann wird sich das immer leerlaufen, bis es ausgelutscht ist. Einfach, weil ich selbst nichts habe. Und dann stehe ich wieder mit leeren Händen da. Es ist sogar gut, mit leeren Händen dazustehen und dadurch ein Stück näher zu mir zu kommen. Nur dann gibt es die Chance, das ureigene Probleme, die ureigenen Fragen wirklich zu beantworten, denn nur durch die damit einhergehende Krise sind überhaupt die Notwendigkeiten und die Kräfte dazu vorhanden.

D.h. ich muß die Krise wirklich durchleiden. Es gibt keine Lösung ohne Krise, ohne Leiden und Lösenwollen. Zumindest bei mir ist das so. Ich bin offensichtlich zuwenig schlau und zu faul und träge, als daß es ohne Krise und dem Leiden unter einer Frage ginge.

Verstand – Um mich selbst drehen

Heute habe ich entrümpelt und einige angefallenen Reparaturen erledigt. Ich war dabei ruhig, ausgeglichen und zufrieden. Ich bin immer noch dankbar, daß das jetzt eine Art Hintergrund meines Lebens ist. Das finde ich das Wertvollste überhaupt.

Es trifft mich aber, daß ich ständig noch die Verstandessucht kultiviere und immer wieder den gleichen Fehler mache. Ich trete dabei auf der Stelle und tue so, als wäre nichts anderes möglich. Mit Leichtigkeit schalte ich sofort die Schwafelmaschine an, ohne wirklich etwas zu verstehen oder genau genommen verstehen zu wollen.
Zu sagen, ich will das nicht (angeblich) und es dann doch zu tun, sagt mehr als alle Willens- und Absichtserklärungen. Es kommt darauf an, was wirklich passiert.

Wo ist dieser wirkliche Punkt? Es muß sogar ganz einfach zu verstehen sein. Wenn es schwierig aussieht, ist das sogar ein Hinweis, daß ich den Verstand mißbrauche und die Wirklichkeit gerade dadurch verschleiere.

Die Sicht von anderen übernehmen

Mehrmals ist mir aufgefallen, wie ich mich zum Opfer von Sichtweisen anderer mache. Jeder sieht immer etwas von mir, was ich tue oder sage, und dann werde ich dementsprechend irgendwo eingeordnet. Wenn ich das übernehme, darauf eingehe, sogar schon wenn ich mich dafür interessiere, was ein anderer sich über mich zurechtlegt, habe ich im Grunde schon verloren. Dann habe ich mich schon aufgegeben und verraten.

Es gab mehrere Beispiele den Tag über, aber so deutlich wurde es erst mit einem jungen Kerl, der schnell um eine Ecke kam und mich überraschte, als ich gerade mit dem Rad unterwegs war. Ich hatte beim Ausweichen irgendeinen erstaunten Laut abgegeben, und der Kerl nahm das zum Anlaß, mich anzustänkern. Zuerst hatte ich ihn nicht verstanden und sprach noch gut aufgelegt, halb scherzend mit ihm. Er wiederholte etwas mit drohender Gebärde. Ich fand das fast lächerlich wie man in so einer Welt leben kann. Aber die Auswirkungen davon sind eben ganz real. Im nächsten Moment war blitzartig Wut in mir und ich gab etwas zurück. Ich fand das eine Unverschämtheit, daß der Kerl in seiner Traumwelt durch die Gegend läuft und einfach irgendjemand angeht, der ihm gerade begegnet. Ich hatte gute Lust, es darauf ankommen zu lassen (soetwas habe ich noch nie erlebt). Im gleichen Moment wurde mir klar, wie dumm und kindisch ich mich verhielt, indem ich einfach irgendeinen Dreck von jemand anderem übernommen hatte und mich darin bewegte. Erst zu dem Zeitpunkt hatte ich auch Angst. Ich beschwichtigte den Kerl dann mit einer Entschuldigung, fühlte mich nachher aber gedemütigt.

Keine Handel mehr mit mir selbst

Gestern habe ich mit dem früheren Kollegen aus dem letzten großen Softwareprojekt telefoniert, mit dem ich gut zusammenarbeiten konnte. Dort hat das Projekt mittlerweile Wellen geschlagen bis zur obersten Geschäftsleitung. Jetzt soll ein ganzer anderer Bereich, der schon seit Jahren in einem festgefahrenen Entwicklungsprojekt steckt, auf die von uns entwickelte Technik umgestellt werden. Deswegen würde meine Hilfe gebraucht.

Jetzt erst zeigt sich, was dran ist, was ich so breit geschrieben habe, daß ich mich nicht verkaufe. Allein schon daran herumzuüberlegen (soll ich/soll ich nicht) zeigt schon die Verstrickung mit dem Verstand. Natürlich gibt es viel Geld – es wäre möglich, die angesammelten Überstunden und den Urlaub in der Gärtnerei für das Projekt zu verwenden. Aber wieso überlege ich dann daran herum? Weil ich es nicht will. Weil das Geld teuer erkauft wird, weil ich wieder in völlige Verwirrung und Verkrampfungen hineinlaufe, weil es mir schlechtgeht. Als ich heute mit der S-Bahn an der Haltestelle vorbeifuhr, an der ich früher immer ausgestiegen war, war mir klar, daß ich das nicht will.

Dieses Feilschen mit mir selbst ist schon der beste Hinweis auf einen inneren Handel, bei dem ich mich selbst verkaufe. Nein, diesmal nicht. Diesmal ist mir etwas anderes wichtiger: Mein Seelenfrieden, mein eigener Wert. Dann muß ich eben die Reserven benutzen, bzw. möglichst schnell etwas Eigenes arbeiten. Die Variante mit dem Geld für das Mich-Verkaufen zögert das nur hinaus und soll es abpuffern. Nein, in Wahrheit gibt es keine andere Option mehr als entweder selbst etwas auf die Beine zu stellen oder zumindest mich nicht zu verkaufen und das zu tun, das mir guttut. Alles andere ist ungut und verseucht.

Momentan verdiene ich zwar nur sehr wenig und lebe zur Hälfte von Ersparnissen. Aber dann gehe ich zur Not noch lieber Kerzen verkaufen auf einem Weihnachtsmarkt oder Schneeräumen. Dabei gibt es sicher auch noch mehr zu lernen im eigentlichen Sinn. Es führt kein Weg daran vorbei, etwas Eigenes zu machen. Sofort wenn ich mit dieser Brisanz lebe (im Jetzt – das ist nämlich nicht nur eine hübsche esoterische Phrase), kommen auch noch andere Ideen, was ich selbst auf die Beine stellen kann, mit Computern (ganz praktisch, das was ich immer hochnäsig abgelehnt habe), Gartenarbeit, Führungen.

In der Berufsschule habe ich mich heute abgemeldet und werde die theoretischen und botanischen Teile selbst lernen. Ich hatte immer noch abgewartet mit dem Schritt, ob sich nicht doch irgendwann etwas am Unterricht ändert. Außerdem hatte ich den vermuteten bürokratischen Aufwand gescheut, aber es war dann überraschend einfach nach einem Gespräch mit der Leiterin. Seit Beginn habe ich auf diesen September gewartet und den Unterricht bei einer Lehrerin, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich kompetent ist. Doch auch dieser Unterricht war bisher die meiste Zeit ausgefallen und ich empfand es immer als schlimme Zeitverschwendung. Seit Beginn lief es dort in vielen Bereichen sehr chaotisch ab. Ich hatte immer noch abgewartet und mich beschwichtigt, gemeint, daß ich falsche Ansprüche stelle, zu perfektionistisch sei und daß meine Haltung mit meinem falschen Idealvorstellungen zusammenhängt. Aber nach und nach wurde das immer drängender. Auch andere Schüler und sogar mein Chef fanden die Zustände dort chaotisch. (Beim Herunterregeln meiner Vergeistigung darf ich mich ruhig einmal an anderen orientieren.)

Die Zeit und die Erfahrungen in der Schule waren aber auch in vielen Bereichen wichtig. Die Menschen, die ich dort getroffen habe, haben mich von sehr viel Hochnäsigkeit befreit, und einige Bekanntschaften gingen mir sogar sehr nahe. Ich habe mehr bekommen und etwas ganz anderes als erwartet.

Freude, Einklang und Übereifer

Gestern war schon um sieben Arbeitsbeginn, wie üblich bei den Landschaftsgärtnern. Zusammen mit dem Chef und D., einem Praktikanten, fuhr ich zur Gartenpflege in einem Garten in Grünwald. Der Morgen war kalt und neblig, aber aus irgendeinem Grund war die Stimmung bestens (übrigens obwohl gerade am Tag davor einige schwierigere Probleme in der Gärtnerei aufgetaucht waren). Schon während der Anfahrt habe ich soviel gelacht, wie schon lange nicht mehr. Bestens gelaunt kamen wir an und machten uns an die Arbeit. Das lief sehr professionell ab, damit meine ich, zügig, mit voller Konzentration und ganzem Einsatz. Durch die Zusammenarbeit entstand wieder eine ganz bestimmte Kraft, als würden wir immer weiter von einer Freude und einem unerklärlichen Antrieb gestützt.

Der Garten wurde vor ein paar Jahren von der früheren Firma des Chefs angelegt und gefiel mir gut. Die Auftraggeberin freute sich, als ich bei einer Pause ein paar Bemerkungen machte über die Vorzüge einiger schöner Details ihres Hauses aus den 30er Jahren. Ebenso wie über die schönen Einzäunungen, das Gartentor mit dem kunstvollen Bogen und einen schmückenden Laternenarm an der Hausecke. Das alles war von dem vorherigen Bewohner, einem Kunstschmied, hergestellt worden, wie ich dann erfuhr. Diese Qualität war einfach sofort spürbar. Ebenso freute sich die Frau später auch noch über die Pflanzen, die ich für ein kleines rundes Beet am Eingang als Winterbepflanzung ausgesucht hatte. Es war, als wäre der ganze Tag ein Erfolg. Ich schwamm in einer Art Euphorie, die durch solche Erlebnisse, Widerhall zu finden mit dem, was ich empfinde, noch richtig beflügelt wurde.

Am Nachmittag mulchte ich zusammen mit D. die ganze Fläche, was mir vorkam, als würden wir fliegen. Es war als arbeiteten wir immer schneller, aber ohne jede Hektik. Es war einfach nur tief, wenige Worte reichten, nur ein paar Blicke und Gesten, eingestreute Witze und Lachen – dahinter war ein tiefer Einklang.

Als wir am Ende die unerwartet große Menge von Schnittgut aufluden, war immer noch keiner müde, ganz im Gegenteil – es war fast wie ein Rausch. Nach dem Saubermachen und Aufräumen bekamen wir noch ein großzügiges Trinkgeld. Es ist kaum zu glauben, wie wertvoll das jetzt plötzlich ist, im Vergleich dazu, als ich das schon einmal in einem Bruchteil einer Stunde verdient habe. Das war mir damals schon beim allerersten Mal aufgefallen, als ich auf einer Dachterasse arbeitete. Jeder Euro, jede Minute, jeder Blick, jede Begegnung, jedes Detail des Lebens, einfach alles hat dann einen völlig anderen Wert, wenn diese Freude da ist. Es ist, als würde ich dann das erste Mal die Dinge wirklich erleben. Dadurch fühle ich mich zutiefst echt und lebendig und es gibt nichts, was ich dagegen eintauschen will – das ist mir das Wertvollste. Wenn ich mir das abkaufen lasse, wenn ich das eintausche gegen Sicherheit, wenn ich im Verstand lebe und der Angst erliege und klein beigebe gegenüber dem riesigen Einfluß der Allerweltssicht und all denen, die in diesem Sumpf hängen, dann verrate ich mich. Dann lebe ich vielleicht bequem und sicher, aber völlig abgeschnitten von dieser Kraft, meinem eigenen Leben. Der Traum warnt mich davor zu bremsen. Annehmen heißt, unerwartete, neue Dinge anzusehen und sie zu behandeln, statt mich zurückzuziehen. Das merke ich vor allem dann, wenn mir etwas zu hart, zu real und unangenehm oder zu schwierig erscheint. D.h. nicht, daß ich mich quälen muß, sondern ich sehe dann in dem Moment klar, warum ich nichts damit zu tun haben will: Weil ich bisher lieber in einer unechten, geistigen Welt lebte, wo ich nicht mit dieser Wirklichkeit in Berührung kam und allen Aspekten, den schönen wie den hässlichen. Nur eine Seite zu wollen, geht nicht. Es werden gerade viele Ablehnungen in mir kleingemacht.

Auf dem Rückweg war ich immer noch in dem euphorischen Zustand und auch die beiden anderen. Wir lachten wie die Kinder.

Kurz später stieg ich aus, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meinen Eltern zu fahren. In dem Zustand war es sehr eigenartig, in die Straßenbahn zu steigen. Es war, als käme ich von einer anderen Welt, von einem Urlaub in einem fernen Land oder einer mehrtägigen Bergwanderung. Gerade hatte ich noch mit einer Frau an der Haltestelle gesprochen und hatte überhaupt mit jedem einen Berührungspunkt. In der Straßenbahn herrschte die übliche bedrückende, eigenartig zwanghafte Stimmung. Ich nahm das zwar wahr, aber es berührte mich diesmal nicht im geringsten. Ich wunderte mich eher über diese schlechte Atmosphäre. Freude ist ja immer und für alle da, wer sie nicht will, der will sie eben nicht. Aber ich dachte auch nicht weiter darüber nach. Ich fühlte mich so grundlegend in Ordnung, daß ich gar nichts anderes wollte. Gleichzeitig war wieder diese eigenartige Müdigkeit da. Nicht einfach nur körperlich, sondern es war die Müdigkeit, die damit einhergeht, wenn der Verstand langsamer ist.
Plötzlich hatte ich den Drang, aufzustehen und irgendetwas zu sagen, zu rufen, zu singen oder sonst in irgendetwas Unerwartetes zu fallen, das ich selbst nicht einmal wußte. Ich erinnerte mich an die „Happy Carriage“, und mußte laut über den Einfall lachen, unternahm aber dann nichts.

Der Besuch bei meinen Eltern lief dann sehr ernüchternd ab. Es kam zwar nicht zu einem Eklat, aber mir wurde diesmal klar, daß keine Verbindung möglich ist. Ich hatte mich wieder darin verheddert, auf Aussagen einzugehen und anzunehmen, meine Eltern wären an Selbsterkenntnis interessiert. Es wird häufig so ein Anschein erzeugt, aber sofort wenn es zu einem Punkt kommt, der einen selbst berühren könnte, ist es sofort vorbei mit dem angeblichen Interesse und es werden die übelsten Manöver und Waffen eingesetzt. Von einer Sekunde auf die andere kann sich ein Mensch mehrmals in sein Gegenteil verwandeln und die fadenscheinigsten Ausreden und undurchdringlichsten Verwirrungen erzeugen, ohne anscheinend das eigene Empfinden von Zusammenhang zu verlieren, während ich einfach nicht mehr folgen konnte und auch nicht wollte. Ich hatte das noch nie so deutlich gesehen.

Mein Fehler war, weder selbst die Grenze sehen zu wollen noch einzuhalten, die zwischen Alltagsleben und spiritueller Zusammenarbeit besteht. Wenn es um den inneren Bereich geht, muß ein Vertrauensverhältnis bestehen und beiden Seiten muß das nicht nur zu 100% klar sein, sondern es müssen auch bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Es geht nicht, einfach irgendetwas hier oder dort einzubringen. Das ist nicht nur völlig wirkungslos, wenn nicht sogar zerstörerisch. Der übliche und völlig belanglose Bereich von Meinungen und Ansichten ist viel zu lau und unverfänglich. Außerdem ist es mit den eigenen Eltern wahrscheinlich sogar völlig unmöglich, in dem Bereich in irgendeiner Form etwas voranzubringen. Der Zusammenhang der Persönlichkeitsmuster ist einfach zu stark, die Verstrickungen und die Bilder vom anderen sind zu stark.

Ich war enttäuscht und mein Übereifer war mir peinlich. Nicht den Mund halten zu können ist einfach eine unreife Schwäche. Es ist der gleiche Zusammenhang wie in der Berufsschule.

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