Archiv der Kategorie 'Präsenz'

4.7.2008

Diese abgeregnete, frische Luft und der aufgewühlte Himmel mit den greifbaren Wolken hatte den ganzen Tag einen Einfluß auf mich. Morgens begrüßte mich schon diese Klarheit. Als ich von der Arbeit heimkam wurde etwas in mir immer leichter. Etwas im Bauchraum entspannte und öffnete sich, als wäre ich da ständig verkrampft. Ich lud Tasche und Einkäufe ab und ging nochmal spazieren. Ich wurde immer langsamer und ich endete im nahe gelegenen Park. Völlig von selbst überkam mich dieses Anwesenheitsgefühl, das sich immer weiter ausbreitete. Ich habe nichts mehr vor, keine nagenden Antriebe, kein hintergründiges Gefühl, etwas vergessen oder nicht erledigt zu haben. Einfach gar nichts, nur Erleichterung und Staunen.

Nach einer Weile gehe ich durch die Altstadt zurück. Alles sieht verändert aus in der Abendsonne. Jeder Schritt ist ein Genuß in einer schlichten Freude, einfach nur so.

3.7.2008

Als mit dem Gewitter der Regen kommt und es innerhalb kurzer Zeit abkühlt, fällt auch in mir eine hitzige Spannung und eine angespannte, gehetzte Unruhe in sich zusammen. Ich bin auf dem Heimweg. Zuhause gehe ich umgezogen wieder hinaus in den Regen, um diesen Umschwung auszukosten.

Als ich zurückkomme, bin ich in einer ganz anderen Verfassung. Ich setze mich hin, doch die Präsenzübung fällt mir heute trotzdem schwer. Ich muß sie heute sogar viel entschlossener ausführen, statt ihr von selbst zu begegnen. Nach kurzer Zeit finde ich mich immer wieder woanders. Ich fühle mich anwesender als vorher, aber immer noch abgelenkt.

1.7.2008

Ich habe den kurzen Spaziergang nach dem Mittagessen mit einem Gang zu einer Erledigung verbunden. Während der Zeit blieb ich anwesend. Beim Anstehen in einer Schlange ärgerte ich mich über die Dreistigkeit eine Frau, die sich ungeniert vor mich drängelte.

Nach dem kurzen Schlaf zuhause blieb ich eine Zeitlang ruhig und anwesend sitzen.

27.6.2008

Ich sitze am Abend im Innenhof, wo die Pflanzen so üppig quellen. Die Abendstimmung legt sich über die Umgebung und die Geräusche nehmen eine wohlige, entspannte Färbung an. Aus den umliegenden Häusern klingt es nach Zusammenkunft und Heimkommen. Auch der Gesang der Vögel ist zufrieden abgerundet, wo er noch übermütig und kraftstrahlend am Morgen klang. Alles, was mir den Tag über durch den Kopf gegangen war, ist jetzt weit weg. Da ist wieder ein leises Gefühl, daß grundsätzlich alles in Ordnung ist.

26.6.2008

Ich stehe im Zug auf der Rückfahrt und merke, wie ich fahrig Opfer einer Verwirrung bin. Nein, hinsetzen würde diesen richtungslosen Energien jetzt nicht guttun, nachdem ich den ganzen Tag schon gesessen war. Ich wollte stehen. Dann kam mir der Einfall, im Buch von Reich weiterzulesen, das ich nochmals durchgehe. Nein, auch das war das Falsche in diesem Moment, denn es war noch mehr Nahrung für den Kopf, der schon voll genug war. An keinem Ort war es mir recht. Bis mir auffiel, daß ich eigentlich nur irgendetwas rastlos suchte, um nicht dazusein. Als ich das so sah, ließ ich es zu, genau hinzusehen, wie weit diese Verwirrung geht in meinem Hirn. Wie verrückt das abläuft. Es war, als hätte ich einem unklaren Gespenst in die Augen gesehen und es löste sich dadurch beinahe auf. Nein, die Unklarheit blieb, aber meine Haltung hatte sich geändert und das war vielmehr eine körperliche Erfahrung, erleichternd und ausbreitend. Ich blieb über längere Zeit einfach anwesend, bis ich nach einiger Zeit merkte, daß ich kurz und fast unmerklich wieder herausgefallen war. Dann kam es nochmal zurück.

18.6.2008

Ich habe zu Hause gearbeitet und konnte mich heute am Nachmittag eine Viertelstunde hinlegen, als mit einem Schlag wieder eine große Müdigkeit kam. Trotzdem bin ich nicht ganz eingeschlafen, sondern nur in eine sehr angenehme Dunkelheit gefallen, bei der sich alles zurückzog (Wahrnehmungen). Erst danach fiel mir auf, daß das einzige, was bis zum Schluß vor dem Einschlafen übrigbleibt ein letztes Wissen von mir ist. An diesem Punkt des Übergangs muß ich noch genauer nachforschen; GL hat das empfohlen und auch im Buch von Maharshi bin ich schon mehrmals auf den gleichen Hinweis gestoßen.
Nach dem Aufstehen fühlte ich mich ausgeruht und frisch.

16.6.2008

Gerade habe ich noch ein Klavierstück von Schubert gehört. Ich sitze nur da bei offenem Fenster und lasse die kühle, ruhige Stimmung von draußen herein. Eine Weite mit einem nüchternen Geschmack breitet sich leise aus. Ich nehme nur immer an, daß die Dinge sich ähneln. Alles ist immer neu, jede Erfahrung ist eigentlich unbekannt.

10.6.2008

Auf dem Firmengelände gibt es einen Teil mit älteren Gebäuden (ich schätze sie auf die sechziger Jahre). Dort steht an einer Stelle in der Mitte ein schlichter Brunnen, der mir bisher gar nicht aufgefallen war. Das plätschernde Wasser und die drei efeubewachsenen Weiden um ihn herum erzeugen hier einen deutlichen Kontrast, der mir stark auffällt beim Vorbeigehen. Besonders durch das warme Wetter spüre ich deutlich die kühlere und feuchtere Luft in der Umgebung. Angezogen davon sehe ich das genauer an und entdecke noch eine Statue. Ich habe den unscheinbaren Ort zuvor gar nicht wahrgenommen. Ich freue mich über die Entdeckung. Hier wurde noch versucht, etwas Wertvolles hinzuzufügen.

9.6.2008

Momentan fühle ich mich grundlos leicht und habe Elan. Ich vermute, das hat mit den Körperübungen am morgen zu tun, die mich etwas mehr zusammenhalten. Es gibt so Tage wie heute, da kommen weniger Zweifel auf an mir selbst.

In den Momenten, als ich mich an mich selbst erinnere, wird mir klar, wie kurz das immer ist (die 95% von letztens waren noch völlig übertrieben. Es sind eher 99,9%, die man im Wachschlaf verbringt. Die Präsenzübung von 20 Minuten strebt da auf etwa 98%, bei geschätzten 16 Stunden Wachphase am Tag, das mußte ich mir erstmal klarmachen.).
Auch wenn die Grundausrichtung darauf abzielt, genauer hinzusehen, bleibt das bei mir oft nur im Verstand und oberflächlich. Es gibt da immer noch einen kleinen Umschalter, nach dem ich die Anwesenheit erst wirklich fühle. Vorher ist es nur eine Erinnerung daran, ein fades Abbild. Erst danach ist die eigentliche Kraft vorhanden.

7.6.2008

Nach Schuberts Neunter Symphonie fühlte ich mich aufgeweicht und beweglicher. Draußen regnet es, ich habe das Fenster offen. Dieser frische, kühle und zarte Eindruck begleitet mich lange heute.
Ich sitze im Stuhl, nachdem und bei Nisargadatta eine längere Stelle gelesen habe, die mich berührte. Der Frage war sehr ehrlich und beschrieb gut seine Zweifel mit Angst, Verleugnung und der Wut darüber (man weiß das ja alles eigentlich), was mich selbst auch betrifft. Die Erklärungen fand ich so treffend und gut beschrieben, daß ich ganz automatisch immer tiefer bei mir nachforsche. Wer bin ich, wo bin ich, wer hat Angst, wenn sie auftaucht? Ich finde nichts, nur die Stimme, die diese Frage in Gedanken ausspricht.

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