Ich kenne keine andere Interpretationen dieser Musik, aber ich brauche auch keine. Für mich zählen die Aufnahmen zu den innigsten unter dem, was ich überhaupt kenne. Vor allem die historischen Instrumente haben, ebenso wie die ganze Ausstrahlung der Künstler, einen feinen, charaktervollen, eigenen, leisen Charme, der schwer zu beschreiben ist. Die Musik berührt mich sehr tief. Diese alte Musik, genau wie die Instrumente, die Aufführungsorte der Künstler bzw. der Gruppe (z.B. Musikinstrumentesammlung im Deutschen Museum – dort habe ich sie zum ersten Mal gesehen, Schloß Lustheim, Glyptothek, alte Kirchen), sogar bis hin zur außerordentlich schönen Gestaltung der CD-Cover, und der aufschlußreichen Begleittexte, überhaupt alles atmet eine seltene, angenehme, warme, ruhige Eigenständigkeit.
Das Cover von der Einspielung von Stücken C.P.E. Bachs zeigt übrigens ein Gemälde, das in der Alten Pinakothek hängt. Ich meine, das ist nicht einfach Zufall, sondern ein hintergründiger Ausdruck eines offenen Umschauens, Wurzelns und Besinnens auf die eigenen Eingebundenheit, hier in der eigenen Kultur. Hier sind alle menschlichen Höhen und Tiefen schon unzählige Male erlebt, durchlitten, bejubelt, eingebunden, verarbeitet worden. Es gab schon unzählige Menschenleben vorher, die das alles schon durchhaben, was ich als Probleme, Herausforderungen oder auch Erfolgen und Freude erlebe. Die Eingebundenheit in diesen größeren Kontext zu empfinden kann zu Zeiten das eigene Empfinden von übermäßiger Wichtigkeit kurieren.
Was hier passiert hat nichts mit „Klassik“ zu tun, wie sie meistens vermarktet wird. Sondern hier spricht eine völlig eigenständige Ausdrucksform in einer sehr vertrauten, und gerade deswegen fast unbekannten Sprache zu einem. Es ist ein liebevoller, lebendiger Ausdruck von Exzellenz, der sich gegen nichts behaupten muß und es schon gar nicht nötig hat, lauthals im Kulturrummel beworben zu werden. Wer das einmal erlebt hat, was hier mit einem passiert und was es zu erleben gibt, der wird gar nichts anderes mehr wollen. Dieses „Geheimnis“ wird sich von selbst verbreiten unter denen, die davon wissen.
Le Nuove Musiche – http://www.musiche.de
Hier eine Probe von deren eigener Seite. Ich empfehle Kopfhörer. Ich hörte das Stück das erste Mal ein paar Tage nachdem ich zufällig ein Konzert der Gruppe besucht hatte. Ich saß dabei in der Mittagspause vor einem Rechner allein in einem Büro und konnte nichts gegen die Gefühle und Tränen tun, die beim Hören etwas tief aus dem Bauch hochspülten.
Carl Friedrich Abel – Postlude pour viole de gambe seule
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