Archiv der Kategorie 'Berufliches'

Echtes Wissen entsteht langsamer

Einen Auftrag gepackt, Rechnung geschrieben und ausgeliefert. Mittlerweile weiß ich langsam etwas besser, wo die Pflanzen stehen. Aber bei besonderen Sorten muß ich immer noch nachfragen, besonders bei den Gräsern. Die sind sich einfach zu ähnlich.
Die Bewässerungsanlage für den Winter vorbereitet und dann Sempervivum gejätet. Ich hocke im Regenschauer und spüre den böigen Wind, wie er um die winddichte Jacke streicht. Die Krähen surfen lauthals schreiend auf den Windwellen vor den großen, laublosen Bäumen. Ich habe keine Ahnung, keinen Zukunftsplan, ich weiß nur, daß es mir sehr gut geht, trotz etwas Halsweh.

Momentan freue ich mich daran, all diese unterschiedlichen Dinge erfahren zu können. Nicht nur die Arbeit mit Pflanzen, im Freien, sondern auch das Verkaufen, die Kundenkontakte, die geschäftlichen Arbeiten im Büro, die Organisation. Wo hätte ich sonst die Chance, das alles (Einzelhandel, Einkauf, Wiederverkauf, Lagerhaltung, Verkäufer, Baustellen, gärtnerische Arbeit an den Pflanzen, usw.) zu erfahren.

Kurz habe ich mich mit einer Landschaftsgärtnerin unterhalten, die gerade im Schaugarten fotografierte. Sie macht viele unterschiedliche Dinge, einen Gartenführer herauszugeben, für Gartenmagazine zu schreiben, Vorträge zu halten, Gartengestaltungen und -beratungen anzubieten, usw. Seit Ihrem Kind arbeitet sie nicht mehr auf Baustellen, sagt sie. Diese ruhige Ausgeglichenheit, die positiven Aussagen, in den letzten Jahren sei das Interesse an Pflanzen, Gestaltung und Planung gestiegen und hätte sich verfeinert, Ihre Zuversicht, Selbständigkeit und auch, das alles auf diese Art von einer Frau zu hören, tat gut. Mit Frauen kann ich viel eher und leichter auf der Gefühlsebene sprechen, wenn es um Gärten und Pflanzen geht.

Gerade ergeben sich auch noch zufällig ein paar kleinere Jobmöglichkeiten, mit denen ich noch etwas verdienen kann im Winter. Ich bin zwar noch davon entfernt, in irgendeiner Hinsicht auf eigenen Beinen stehen zu können, aber das Ganze braucht auch etwas mehr Zeit. Hier geht es nicht, daß ich einfach einmal einige Wochen irgendetwas pauke. Es geht hier um Erfahrungen und nicht nur um Faktenwissen. Ich bringe das ganze Wissen gar nicht in den Kopf, selbst wenn es z.T. in den Büchern steht. Aber alles gibt es dort längst nicht. Viele Tricks, Details, Feinheiten und das Wissen, wie etwas zu tun ist, gibt es nur in den Menschen und im praktischen Tun. Echtes Wissen kommt nur langsam, mit der Zeit, mit dem Erleben.

Arbeit und Freiheit

Heute morgen fühlte ich mich sehr klar und in Ordnung. Als hätte das Ausruhen und das Putzen des Hauses von oben bis in den Keller gestern auch etwas in mir aufgeräumt.

Eine Unklarheit bei der Antwort, die ich an F. geschrieben hatte, ging mir noch im Kopf herum: ich hätte mich nicht getraut, z.B. halbtags zu arbeiten. Ich wäre es mir nicht wert gewesen. D.h. ich hänge noch an einer Leistungs- und Sklavenideologie. Dann zählt nicht, wie gut ich etwas mache oder wie gerne, sondern daß ich überhaupt arbeite und v.a. solange wie üblich. Ich käme mir eben nicht wertlos vor, sondern faul, wie ein Betrüger an der Gesellschaft. Genau das ist Inneres-Mich-Richten (Ausrichten von meinem Denken an dem anderer) – die Ursache der Sklavenmentälität (Ich vermute sogar, daß das im weltweiten Vergleich in Deutschland mitunter am schlimmsten verbreitet ist, neben z.B. Japan.) Um davon loszukommen hilft es, klar zu sehen, wer denn wirklich etwas darum gibt, was ich tue. Wenn ich sterben würde, würde auch niemand nach mir fragen – also bin ich ganz allein selbstverantwortlich. Ich habe nichts mit einer Gesellschaft zu tun und es gibt auch keine Erwartungen, die ich zu erfüllen hätte – außer ich ordne mich dem aus Hilflosigkeit freiwillig unter (es reicht eine beliebige Zeitung aufzuschlagen, um unzählige Beispiele zu bekommen, wie allgemein über Gesellschaft gesprochen und gedacht wird, v.a. wie automatisch unterstellt wird, dem gar nicht erst entgehen zu können. Als wäre ich in einer Zwangsehe mit dieser „Gesellschaft“). Der Begriff „Gesellschaft“ an sich ist ja schon nur eine abstrahierte Vorstellung ohne einen wirklichen Bezug. Diese Verstandesanteile kann ich jetzt verabschieden, wenn sie klarwerden.

Zu Arbeit sehe ich folgende Lösungen: Entweder ich arbeite möglichst so, daß ich in einem Bruchteil meiner Zeit meinen Lebensunterhalt verdienen kann und den Rest für eigene Beschäftigungen habe (ich kenne einen Künstler, der immer wieder einmal seinen ungeliebten alten Job als technischer Übersetzer aufnimmt, um dann wieder längere Zeit seinem Interesse nachzugehen). Oder ich habe eine Arbeit, die ich liebe, um dann gar nicht erst „arbeiten“ zu müssen (das ist eine Idealvorstellung, die sicher nur für wenige erfüllbar ist). Oder ich arbeite für jemanden und bekomme noch andere Vorteile für mich heraus – z.B. bestimmte Erfahrungen, die ich machen möchte. Das Wichtige dabei ist immer zu wissen, wieso ich etwas tue.

Müdigkeit

Ich wachte zur üblichen Zeit auf und fühlte mich immer noch sehr müde, vor allem körperlich. Ich versuchte vergeblich wieder einzuschlafen. Zum Aufstehen fehlte mir aber auch die Kraft.

Nach einiger Zeit fiel mir ein, daß ich eine Telefonnummer in der Gärtnerei vergessen hatte. Es ging um jemand, der Hilfe im Garten wollte. Ich hatte das nicht umsonst vergessen, denn ich wollte das nicht machen. Ich fühlte mich zu fein dafür, es hatte nichts mit mir zu tun. Als mir das klargeworden war, änderte sich plötzlich etwas. Mir fiel auf, daß ich diese Art der Arbeit offensichtlich nicht mit mir in Verbindung bringe. Ich ging dem nach, ob ich nur in dem Arrangement als Angestellter scheinbar damit zufrieden bin, weil es dann immer noch einen Spalt gibt zwischen mir und der Arbeit als Gärtner. Wenn ich das wirklich wollte, dann würde ich alles miteinbeziehen, nicht nur bestimmte Teile und aus der Position einer höheren Warte. Als mir das klar war, war urplötzlich doch Kraft da. Es war jetzt kein Hilfsjob mehr, sondern ich wollte etwas. Mich interessierte jetzt, was tatsächlich herauskommen würde anstatt nur darüber nachzudenken, und plötzlich war ich in der Situation, etwas selbständig zu machen. Das ist eine feine Schwelle, die es schon bei viel einfacheren Dingen gibt wie z.B. Saubermachen. Passiert es einfach nur als automatischer Ablauf, weil es eben nötig ist oder bei Arbeit, weil man Geld verdienen muß, oder will ich etwas dabei, bin ich selbst ganz damit verbunden und bei der Sache?

Ich fuhr also in die Gärtnerei, um die Nummer zu holen, erreichte aber niemand am Telefon. Dort traf ich dann den aktiven, achtzigjährigen Nachbarn und unterhielt mich etwas mit ihm. Ihm folgend, fing ich auch an, Walnüsse einzusammeln und machte nachher noch etwas weiter, als er schon weg war. Ich hatte plötzlich keinen Plan mehr für meinen Tag. Ich fuhr dann mit dem Rad durch die warme Vormittagssonne zurück und fand an jeder Ecke etwas, um anzuhalten. Ich sammelte völlig ohne Sinn wie ein Junge Eicheln und Kastanien, dann noch Obst von ein paar freistehenden Obstbäumen. In der Feiertagsruhe war es, als wäre die ganze Welt in Ordnung.

Am Nachmittag, nachdem alles auch in der Wohnung erledigt war, kam die Müdigkeit wieder. Ich hatte noch vorgehabt, zum Selbstverteidigungstraining zu fahren, aber ich fühlte mich immer schwächer. Als ich den Schritt tat und mir erlaubte, nichts mehr zu tun, war es wie eine große Erleichterung. Ich wollte nur noch diese seltene Erleichterung und stille Freude ohne irgendetwas anderes, und vor allem, ohne mir etwas aufzuerlegen. Ich wollte mich nicht mehr anstrengen und etwas tun.

Auch wenn ich mich wie ein Versager fühlte. GL hat schon einmal die wahre Bedeutung von Müdigkeit erklärt. Müdigkeit ist Falschheit. Jemand, der sich selbst gemäß handelt und lebt, erfährt das als Stärkung. Dagegen verbraucht Unterdrückung davon viel Energie. Ich war also müde. Und ich konnte das nicht wegmachen. Ich schob noch vor, daß die Woche anstrengend war (mehrmals ein paar hundert Kilo in Zentner-Säcken zu verladen oder Gehölzballen herumzutragen). Gestern dauerte der Tag auch zehn Stunden bis ich abends mit der Büroarbeit fertig war, die ich zugesagt hatte.
Aber selbst die körperliche Müdigkeit sagt etwas, denn dann ist mein Körper eben nicht darauf ausgelegt.

Ich schlief knapp drei Stunden einen eigenartigen Schlaf. Immer wieder öffnete ich die Augen, um auf die Uhr zu sehen. Ich konnte nicht sagen, ob ich dazwischen eingeschlafen war oder nicht. Aber ich mußte geschlafen haben, denn die Intervalle zwischen dem Uhrablesen waren viel größer als mein Gefühl, wieviel Zeit vergangen war.

Nach dem Aufwachen fühlte ich mich, als wäre irgendetwas in Ordnung gekommen, wobei ich nicht sagen konnte, was das genau war. Ich las in aller Ruhe in GLs Buch. Danach fühlte ich mich wieder, als hätte ich ein wenig mehr Verständnis, um was es bei Bewußtheit geht. In diesem Eindruck las ich dann noch eine Passage bei Nisargadatta und verstand ihn besser, was er mit Einheit meint. Ich verstand dabei, wie häufig ich über mich werte und Verhalten und Empfindungen in Kategorien einteile, dagegen vorgehe, etwas verleugne und stattdessen versuche, mir etwas aufzuerlegen. Aber das muß ich genauer und praktisch untersuchen, wenn es passiert.


Nochmal zurück zur Arbeit: Ich weiß immer noch nicht, was zu mir paßt. Meine Gestalt ist zu zierlich, als daß ich schwere körperliche Arbeiten länger durchhalten würde. Aber momentan bekomme ich auch sehr viel. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Schemadenken wie etwas zu sein hätte, bei mir ausgehebelt wird. Ich bemerke das immer daran, daß ich mich fühle wie ein kopfiger Fachidiot, der das einfachste vor seiner Nase nicht erkennt. Ich bin dankbar dafür, denn ich wüßte nicht, wie ich sonst in bestimmten Bereichen auf den Boden der Realität kommen könnte. Das gibt mir jedes Mal ein Stück Beweglichkeit. Außerdem bin ich allein schon froh, wenn ich über die Autobahn mit den Pendlern in Richtung Stadt fahre und einen Tag mit Freiheit und Bewegung vor mir habe.
Zur Zeit merke ich erst, wie sehr Deutschland für mich bisher nur ein „geistiges Land“ war. Körperliche Arbeit und Lebensumstände gab es für mich nur auf Reisen, bei anderen, in der Fremde. Der Kontakt damit bringt mich in sehr vielen Bereichen auf den Boden und ich sehe klarer und realistischer.

Es gibt immer wieder Momente, in denen ich das ganze Milieu abstoßend finde und weg will, denn die Menschen in der Branche sind beinahe durchweg ziemlich derb und hart. Außerdem fehlt mir oft Feinheit, Ordnung und etwas wie Präzision. Es reicht bei vielen Dingen, wenn sie halbwegs getan werden, und das zieht sich dann durch alles hindurch.
Außerdem gibt es für mich noch eine sehr klaren Trennung zwischen der Arbeit und den Menschen. Die Arbeit ist mit Erde, Schlamm, Staub, Wasser, manchmal auch Öl und Benzin für Maschinen, häufig schmutzig. Aber das ist kein Problem, dann wäscht man sich und die Kleidung eben am Abend. Dagegen hat das überhaupt nichts mit dem Schmutz von Menschen zu tun, mit Unordnung, Süchten oder übler Nachrede und Verlogenheit, etc. Das stößt mich ab und das läßt sich nicht abwaschen.

Ich merke aber immer mehr, daß ich auch nicht zurückkann. Ich werde immer mehr eingeklemmt und ich muß immer besser wissen, was ich will. Als ich letztens eine Angebot für ein Software-Projekt bekam, drehte sich mir richtig der Magen um. Die hochkomplizierten Details kamen mir plötzlich vor wie aus einer anderen Welt, richtig krank. Ich wußte dann, daß ich das nicht mehr kann. Ich fühle mich, als würde ich in überhaupt kein Schema dieser Welt passen – das erfordert noch viel mehr Selbstverantwortung.

Unklare Gefühle zur Arbeit

Bei den letzten Einträgen fällt auf, daß ich denken kann soviel ich will, aber es kommt nichts dabei heraus.

Heute hatte ich den ganzen Vormittag zu tun mit Klärung von alten Kundenbestellungen, Weitergabe von Nachrichten und Anfrage von neuen Pflanzen gemeinsam mit dem Chef. Ich bin froh, wenn er einmal da ist und wichtige Dinge klärt und entscheidet, weil sonst immer ein ganzer Stapel nicht erledigter Dinge aufläuft und im Hintergrund hängt wie ein Gewicht.

Heute herrschte Ruhe in meinem Kopf. Es gab keine Gedanken an irgendwann. Ich spürte nur das unerklärliche Gefühl von Fülle bei den organisatorischen Arbeiten mit dem Chef und auch später, als ich an den Vermehrungen weiterarbeitete, die ich gestern begonnen hatte.

Es ist wieder dieser Zustand, in dem es keine Probleme gibt und kein Nachdenken über die Zukunft. Das mitschwingende Gefühl von Fülle ist stark. Ich stelle mir dann vor wie es wäre, wenn ich selbst die Zustände in der Gärtnerei lenken könnte.

Doch wenn ich dann wieder realistisch hinschaue, was da ist, dann ist es ernüchternd. Die Gärtnerei überlebt nur durch die Arbeit von unbezahlten Praktikanten und durch Einnahmen vom Landschaftsbau, ansonsten würde sie nur Verlust machen. Es fehlt an allen Ecken und Enden am Nötigsten. Die Angestellten (bis auf eine alles Teilzeitkräfte) sind auch nur sehr schlecht bezahlt. Nur Arbeit ist im Überfluß vorhanden.
Wenn ich dann weiterdenke, nicht ewig eine Art idealistisches Studentenleben führen zu wollen, sondern auch Zeit und Geld zu brauchen, dann erscheint die Beschäftigung mit Gartenarbeit abwegig. Es muß dann schon zu hundert Prozent eine Lebensaufgabe sein. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das bei mir der Fall ist. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob ich mich nicht einfach nur drücke.

Die Beschäftigung mit Pflanzen finde ich oft interessant, aber in anderen Momenten auch völlig belanglos. Dann frage ich mich, wen überhaupt die minimalen Unterschiede zwischen einigen Sorten interessieren. Dann kommt mir dieses Gebiet richtig nerd-haft vor. Diese Zustände von einer Art Verliebtheit und Abgestoßensein gegenüber der Arbeit wechseln den Tag über. Heute überwog die Verliebtheit. Ich kann dann zuhause sogar noch interessiert in einer Fachzeitschrift lesen, etwas, das ich im Computerbereich nie getan hätte.

An diesem Zustand wie heute gibt es etwas, das ich nicht verstehe: Dann fühle ich mich nicht als ich selbst, sondern betrachte es eher verwundert als würde es jemand anderem passieren. Das klingt irgendwie mystisch, aber ich meine, da ist etwas faul. Ich weiß nicht, ob ich dann quasi mein Schicksal lebe und mich nicht mehr verantwortlich fühlen brauche, oder ob es nicht eine geschickte Art von Abkapselung und Drücken vor der Freiheit ist, indem ich eine Art neue Rolle gefunden habe, die ich bestmöglich zu erfüllen versuche.

Arbeit und Selbstwert

Heute war ein sehr ruhiger Tag. Der kühle Nieselregen wirkt beruhigend auf mich. Ich mag dieses Wetter, denn dabei herrscht mehr Klarheit, der Kopf bleibt kühl, während der Körper die Wärme selbst erzeugen muß. Es kommt mir dann so vor, als ob dadurch die Körperenergien in den richtigen Bahnen laufen, statt in den Kopf zu schießen. Bei dem Wetter kommen kaum Kunden und ich habe zusammen mit drei anderen den ganzen Tag Pflanzen zerteilt und vermehrt, nur unterbrochen von Telefonanrufen. Es hatte etwas von der gleichen Ruhe als ich letztes Jahr das Praktikum in der Gärtnerei machte, als ich völlig am Ende war mit dem Computerjob. Es war heute auch wieder eine gelöstere Stimmung und nicht die Versteifung auf eine Sicht und das Argumentieren aus dem Verstand wie vor dem Wochenende.

Der Hinweis, ich belüge mich hinsichtlich der Arbeit bzw. wollte das gar nicht, wirkte sehr stark. Das ist entweder eine Provokation und testet den Willen hinter dem, was ich tue, oder es ist die Wahrheit und ich bin zu blind, das selbst zu erkennen. Heute fühlte ich mich hauptsächlich in Ordnung. (Mit den rauchenden Kollegen kam ich kaum in Kontakt. Ich ertrage das nämlich sogar schon an freier Luft nicht mehr.)

Ich muß die Ausbildung in der Gärtnerei hinterfragen und überprüfen. Doch mir klarzumachen, was ich will, hilft mir nicht weiter, denn ich erzeuge sehr schnell unrealistische Träume und verliere die Bodenhaftung. Wenn ich realistisch überlege, welche Jobs und Arbeitsmöglichkeiten es für mich sonst noch gibt, schrecke ich erstmal zurück. Das meiste klingt abstoßend und ohne Perspektive, die darüber hinausgeht. Nur arbeiten, um zu überleben. Wenn es so ein Job sein muß, dann arbeite ich lieber wieder mit Computern, denn dann verdiene ich wenigstens ausreichend Geld, damit ich auch einmal eine Zeit ohne Arbeit dazwischen unterbringen kann.
Aber jetzt bin ich in der Gärtnerei. Hier gibt es auch keine Perspektive, nur wenn ich sie mir selbst aufbaue. Und auf jeden Fall gibt es bis zum Ende immer sehr viel Arbeit, um gerade einmal ausreichend zu verdienen.

Als ich Pflanzen bei einer Spezialgärtnerei nachfragte, schaute ich mir wie üblich deren Internetseiten an mit ihren Selbstbeschreibungen und Fotos. Diese kleinen Unternehmen strahlen immer etwas sehr Schönes aus, das mich berührt. Dahinter stecken ganze Leben und Menschen, die sich auf diese eine Sache völlig eingelassen und alles gegeben haben, was sie haben. Das spiegelt sich dann überall wieder, bis zum letzten Satz auf der Seite. Auch wenn nicht alles perfekt ist, es ist pure Ehrlichkeit, das Innerste nach Außen gebracht.

Von diesem Eindruck beeinflußt, wirkt dann alles immer in einem anderen Licht. Dann sehe ich plötzlich den Wert hinter allem, hinter jeder Handlung, die dort ausgeführt wird. Dann atmet alles Verbundenheit und Sinn, v.a. wenn ich gerade aus dem Büro komme und quasi aus den Augen des Chefs sehen kann.

Aber ich merke, ich drücke mich um die Frage, was ich selbst will.
Es gibt hier beides: manchmal diese tiefe Verbundenheit, die ich in Bezug auf Arbeit bisher sonst nirgends gespürt habe. Das will ich. Andererseits gibt es auch diese Momente von sehr starker Ablehnung und Widerwillen, in denen mir alles zu kaputt ist und ich nur wegwill.

Doch das ist nicht alles: Ich will noch etwas anderes. Wenn ich sage, ich will dort nicht arbeiten, weil es mir zu schwer ist, bzw. weil andere, feinere Teile von mir zu kurz kommen, dann stoße ich sofort an eine Grenze. Hier geht es nicht weiter, das darf ich nicht fühlen. Doch es ist besser, das alles hinzuschreiben, um Spiegelungen möglich zu machen.

Das, was ich Feinheit nenne, ist sehr stark vermischt und verbunden mit dem Verstand. Es wurde einmal Künstler-Ego genannt. Bezeichnend dafür ist, daß nichts dabei herauskommt. Ich habe kein Medium, um diese Feinheit wirksam werden zu lassen, bzw. überhaupt zu prüfen, ob es sie wirklich gibt.

Aber die Ebene einfach zu übergehen bringt auch nichts, sondern ist nur Selbstzwang. Angenommen, ich muß nichts Feineres, z.B. etwas Künstlerisches machen (vielleicht die Musikinstrumente wieder herausholen), um mich gutzufühlen, dann interessiert mich an Feinerem nur noch Selbsterkenntnis (dabei geht es sogar um die endgültige Befriedigung von u.a. ästhetischen Sehnsüchten, wie das Nisargadatta an einer Stelle so oder so ähnlich ausdrückt – GL sagt es auf diese Weise, er brauche keine Hobbies mehr, um Sehnsüchte zu befriedigen).

Einmal schoß mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf, ob ich nur zulasse, mich gut und verbunden zu fühlen, wenn ich mich erniedrige, wenn ich sonst niemand anderen leiden bzw. ein schweres Leben führen sehen muß, während es mir gutgeht. Solange ich körperlich arbeite, habe ich noch einen Bezugspunkt zu einfachen Menschen. Mir fiel das heute im Fahrradladen auf, als ich mich mit dem Mechaniker unterhielt. Ich fühlte mich sehr gut in der Position mit ihm reden zu können, quasi von einem Arbeiter zum anderen. Als jemand, der mehr Geld verdient, kam ich mir immer irgendwie heuchlerisch vor bei solchen Situationen. Ich habe ganz sicher starke Tabus und übernommene Vorstellungen bezüglich Geld in mir, denn das hat offensichtlich gar nichts damit zu tun, wie ich mich meinen Mitmenschen gegenüber fühle und ihnen begegne.

Ich wußte dann plötzlich, wenn sich hinsichtlich Arbeit etwas ändern würde, dann wäre dieser Abschied von der Solidarität mit anderen ein schwieriger Teil für mich. Vielleicht ist es gerade diese Art Solidarität und Mitgefühl, die einen Teil der Selbstblockaden bei mir ausmacht. Es ist eine starke Form von Richten nach anderen. In dem Zusammenhang erinnerte ich mich plötzlich an meine erste längerfristige Freundin, mit der die Beziehung zu einem großen Teil auf einer Art Mitleid von mir für sie aufgebaut war – alles, was daraus entsteht, ist selbsterzeugtes Gift und sehr komplizierte, schmerzhafte Verstrickung – das hatte ich damals gelernt.

Mir ist die ganze Angelegenheit noch nicht klar genug.

Selbstüberschätzung und Arbeit

Über längere Zeit lag ich einfach nur da. Ich hatte keine Kraft mehr und fühlte mich völlig geschlagen. Ich konnte nichts mehr erzeugen. In meinem Kopf gab es nur hilflos flackernde Gedankenfetzen, während ich überhaupt keinen Antrieb zu irgendetwas hatte. Mit ziemlicher Klarheit tauchte dann etwas auf, das mit den Gedanken nichts zu tun hatte. Ich verstehe es noch nicht ganz, aber da war der sichere Eindruck, daß ich auf eine Weise sehr eitel und selbstverliebt bin. Das ist so geschickt, daß ich das sonst nie zu Gesicht bekomme. Es gibt eine sehr ausgeprägte Selbstüberschätzung bei mir. Es kommt mir gar nicht in den Sinn, nur ein stinknormaler Mensch zu sein. Nein, das muß alles immer den Anschein von Besonderheit und Kompliziertheit haben.

Direkt verbunden ist das mit schwirrenden Gedanken, die um die Arbeit kreisen. Was will ich mit dieser Ausbildung zum Gärtner? Paßt das überhaupt zu mir? Offensichtlich suche ich noch nach anderen Beschäftigungen wie Software-Projekte oder dieser kurze Ausflug mit der abwegigen Carsharing-Idee. Der Hauptantrieb dafür ist Angst, nicht genug Geld zu verdienen.

Ich will aber nicht immer nur auf der Flucht sein und Angst haben, sondern zu etwas stehen und meine Kraft nicht verschwenden. Ich sehe nur, daß ich viel arbeite und nirgendwohin komme, wenn ich nicht weiß, welche Ausrichtung paßt.

Wenn ich versuche, mir nüchtern darüber klarzuwerden, was ich ansonsten noch arbeiten könnte, entsteht sofort Angst und ich komme an viele Tabus.
Gibt es das überhaupt, eine Arbeit, die zu mir paßt? Darf ich das wollen und suchen oder ist das nicht nur Träumerei und Unwillen, praktisch zu leben?
Das Problem liegt tiefer. Ich verhalte mich lebensuntauglich, weil es viel Ablehnung in mir gibt, wenn ich herumschaue, wie alles so funktioniert und was möglich ist. Wenn ich z.B. einmal vorhandene Stellenanzeigen durchsehe (nur um einen Anhaltspunkt in der Wirklichkeit zu haben), dann erzeugen mir die meisten Beschreibungen einfach nur Beklemmungen. Dann kommt die Stimme: Im Grunde willst Du anscheinend gar nichts machen. – Doch wenn ich mir vorstelle, die meiste Zeit des Tages diese Beklemmung zu spüren, dann wird mir schlecht.

Jetzt wieder durch den Prozeß zu gehen (völlige Ahnungslosigkeit und Leere, wenn es nichts gibt, um mich festzuhalten), der auch dazu geführt hat, die Stelle in der Gärtnerei zu suchen, bringt mich das dahin zurück, nüchterner zu sein. Dann erscheint die aktuelle Ausbildung dort wieder in einem ganz anderen Licht. Nämlich so, daß mir das guttut und daß ich das will, obwohl es mir unter tags auch häufig schlecht geht aufgrund von Umständen, die mir mißfallen.

Was mir in der Gärtnerei gefällt ist die Freiheit, draußen arbeiten zu können, viele unterschiedlichen Dinge zu erleben und in Hinsicht auf Verhalten keinen äußerlichen Zwängen unterworfen zu sein und keine Fassade aufbauen zu müssen. Etwas Unausgesprochenes ist, daß mir vieles zu real und zu roh ist, was ich dort erlebe, bzw. ich setze beides (real und roh) gleich. Ich hatte gemeint, die Arbeit in der Gärtnerei ist soetwas wie ein Frontalangriff auf Realitätsverweigerung und hochnäsige Zurückgezogenheit in den Verstand. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich mir das einfach als Roßkur verschrieben habe und mir darin gefalle, einen schwierigen Weg zu konstruieren. Das ist nämlich auch eine Form von Eitelkeit, dann ersetze ich eben den „Heiligen“ durch den „Märtyrer“.

Wenn ich die Ausbildung fertigmache, dann bleibt danach nur Selbständigkeit, denn erstens gibt es kaum Anstellungen in dem Bereich, v.a. nicht hier in der Gegend, zweitens verdient man sehr wenig und ist im Winter arbeitslos.
Die Idee mit der Gartengestaltung ist um einiges tiefgreifender und schwieriger als es zuerst aussieht. Ich brauche dazu noch sehr viel mehr Wissen und Erfahrung. Was es noch schwieriger macht, ist, daß es hier in der Stadt sehr viele Unternehmen in dem Bereich gibt, wegen der hiesigen Fachhochschule und Universität. Ich sehe nur, daß ich, so wie ich jetzt bin, sehr wenig Realisierungskraft habe, bzw. mich quasi grundsätzlich und gewohnheitsmäßig durch Angst blockiere. Ich bin auch nicht sicher, ob ich überhaupt irgendetwas anderes finden könnte, wo das dann anders ist. Es ist eher eine Eigenschaft von mir und hat nichts mit den Umständen zu tun.

Ich merke, ich bringe Unselbständigkeit, Lebensuntauglichkeit und Unwillen mit Feinfühligkeit durcheinander. Das ist stark miteinander verflochten, denn ich habe immer Schutzmaßnahmen entwickelt, um mein Innerstes abzusichern. Das sind Verstandeseinrichtungen, aus welchen die unpraktische Verworrenheit entsteht. Ich gestehe mir die Feinfühligkeit nicht ein, und ich bin auch schon in der Schule oft darauf hingewiesen worden, wenn ich diese Verwechslungen und Konglomerate anschleppe. Nur schaue ich nicht genau genug hin, sondern schütte immer das Kind mit dem Bade aus, d.h. ich schließe vorschnell, daß meine Gefühle falsch seien und ziehe mich ganz auf Härte zurück. Das ist natürlich dumm, denn in einer Schule für Bewußtheit geht es eben um feinere Unterscheidung und Bewußtheit. Das kann niemand für mich machen oder mir „lehren“, sondern da muß ich schon selbst hinschauen.

Wenn ich schon dabei bin Tabus aufzuschreiben: Ich habe immer das Gefühl, zuviel zu arbeiten, ob mit Computern oder mit den Händen in der Gärtnerei. Mir fehlt Zeit zum Lesen, was mich wirklich interessiert. – Natürlich weiß ich auch, daß das alles nicht recht zusammenpaßt, v.a. nicht mit Selbständigkeit.

Carsharing

Ich hatte mich jetzt mit einem Bekannten in eine Idee involviert, ein Carsharing-Unternehmen zu eröffnen. Doch ich merkte, daß es mir immer schlechter ging dabei. Anfangs schien es mir eine gute Idee – zum einen selbst etwas auf die Beine zu stellen und dann noch zusammen mit jemand anderem, denn alleine blockiere ich mich selbst. Dann fand ich das z.T. sogar eine recht krisenfeste Idee. Ich war außerdem angetan von dem Unternehmergeist des Bekannten. Dann finde ich die Idee an sich gut. Ich nutze hier selbst so ein System für die wenigen Gelegenheiten, wenn ich ein Auto brauche. Es waren allerlei rationale Argumente dafür im Spiel, aber am Ende konnte ich mich nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß es mir schlecht ging damit. Ich wollte das zuvor noch unbedingt verhindern, denn ich wollte nicht schon wieder einmal erleben, daß ich flüchte, sobald etwas ernsthafter wird.
Nach ein paar Kalkulationen und Analysen hatten wir jetzt einen ersten Zeitplan aufgestellt mit den nächsten Schritten. Die letzten Tage war ich damit herumgelaufen und es fühlte sich nicht richtig an. Ich wollte gestern nochmal versuchen, mir darüber klarzuwerden, aber eigentlich war mein innerer Zustand dazu schon klar. Der Bekannte rief dann gestern noch überraschend an und ich mußte sofort dazu stehen, statt es noch einen Tag aufzuschieben.
Ich hatte viele Bedenken gehabt, weil ich mich immer nur zurückziehe und flüchte. Doch beim Überdenken, was das mit sich bringt, wenn es ernsthaft verfolgt wird, war mir klar, daß ich einfach nicht mit Autos, Anmeldungen, Abrechnungen, Aushandeln von Verträgen mit Versicherungen, Tankstellen, Leihwagenfirmen, etc. arbeiten will. Es wäre nur etwas zu tun, ohne tieferen Bezug. Ich dachte, daß ich vielleicht einfach nur ziemlich verwöhnt und hochnäsig bin, nicht mit der (wirtschaftlichen) Realität in Kontakt kommen zu wollen und mich mit solchen Dingen zu befassen, die selbständiges Wirtschaften mit sich bringt. In einer Situation wie einer schweren wirtschaftlichen Krise würde ich wohl auch so gut wie alles machen, solange es meine grundlegenden Bedürfnisse abdeckt.
Trotzdem: Danach ging es mir besser. Ich war auch froh, daß schon am Anfang geklärt zu haben, anstatt erst dann, wenn schon Geld im Spiel ist und allerlei andere Zusammenhänge.

Ich hatte mich jetzt mit einem Bekannten in eine Idee involviert, ein Carsharing-Unternehmen zu eröffnen. Doch ich merkte, daß es mir immer schlechter ging dabei. Anfangs schien es mir eine gute Idee – zum einen selbst etwas auf die Beine zu stellen und dann noch zusammen mit jemand anderem, denn alleine blockiere ich mich selbst. Dann fand ich das z.T. sogar eine recht krisenfeste Idee. Ich war außerdem angetan von dem Unternehmergeist des Bekannten. Dann finde ich die Idee an sich gut. Ich nutze hier selbst so ein System für die wenigen Gelegenheiten, wenn ich ein Auto brauche. Es waren allerlei rationale Argumente dafür im Spiel, aber am Ende konnte ich mich nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß es mir schlecht ging damit. Ich wollte das zuvor noch unbedingt verhindern, denn ich wollte nicht schon wieder einmal erleben, daß ich flüchte, sobald etwas ernsthafter wird.

Nach ein paar Kalkulationen und Analysen hatten wir jetzt einen ersten Zeitplan aufgestellt mit den nächsten Schritten. Die letzten Tage war ich damit herumgelaufen und es fühlte sich nicht richtig an. Ich wollte gestern nochmal versuchen, mir darüber klarzuwerden, aber eigentlich war mein innerer Zustand dazu schon klar. Der Bekannte rief dann gestern noch überraschend an und ich mußte sofort dazu stehen, statt es noch einen Tag aufzuschieben.

Ich hatte viele Bedenken gehabt, weil ich mich immer nur zurückziehe und flüchte. Doch beim Überdenken, was das mit sich bringt, wenn es ernsthaft verfolgt wird (anfangs sollte es nur nebenbei laufen), war mir klar, daß ich einfach nicht mit Autos, Anmeldungen, Abrechnungen, Aushandeln von Verträgen mit Versicherungen, Tankstellen, Leihwagenfirmen, etc. arbeiten will. Es wäre nur etwas zu tun, ohne tieferen Bezug. Ich dachte, daß ich vielleicht einfach nur ziemlich verwöhnt und hochnäsig bin, nicht mit der (wirtschaftlichen) Realität in Kontakt kommen zu wollen und mich mit solchen Dingen zu befassen, die selbständiges Wirtschaften mit sich bringt. In einer Situation wie einer schweren wirtschaftlichen Krise würde ich wohl auch so gut wie alles machen, solange es meine grundlegenden Bedürfnisse abdeckt.

Trotzdem: Danach ging es mir besser. Ich war auch froh, daß schon am Anfang geklärt zu haben, anstatt erst dann, wenn schon Geld im Spiel ist und allerlei andere Zusammenhänge.

Gartenprojekt

Heute sprach ich mit meinen Vermietern wegen des Gartens. Sie haben mir einmal „freie Hand“ gegeben, wenn ich etwas tun wollte, denn sie selbst kümmern sich kaum. Bis auf zwei kleine Flächen mit ein paar Versuchen mit Gemüse im hinteren Teil hatte ich bisher keinen Antrieb, im großen vorderen Bereich etwas zu tun. Der Garten ist recht heruntergekommen und vernachlässigt, hat aber sehr viel Potential. Es gibt alte Bäume und ziemlich viel freien Raum. Er müßte von Grund auf neu bearbeitet werden, was viel Arbeit ist.

Bisher habe ich mir nur vorgestellt, wie ich den Garten verändern würde, wenn es die Möglichkeit gäbe. Erst vor kurzem hatte ich die Idee, Beete mit Mutterpflanzen anzulegen, die zum einen der Gärtnerei zur Vermehrung dienen und zum anderen kostenlos den Garten mit wertvollen Pflanzen aufwerten könnten. Überraschenderweise fanden alle Beteiligten die Idee gut. Für kostenlose Mutterpflanzenbeete würden Arbeitskräfte von der Gärtnerei zur Verfügung stehen, die den Garten umgestalten könnten. Der Vermieter war sogar richtig erfreut, in dem Zug gleich noch mehrere, schon lange anstehende Arbeiten in Angriff zu nehmen. Das Ganze könnte noch diesen Herbst begonnen werden, wenn die Vermieter den Umgestaltungsideen zustimmen und die nötigen Materialien bezahlen, die vielleicht nötig werden, u.a. für einen neuen Weg, den ich mir vorstelle.

In der Stadt traf ich noch zufällig den Chef, dem ich davon erzählte. Ich merkte, daß ich plötzlich in eine andere Postion gerutscht war. Hier war ich der Ideenführer und der mit der Initiative. Er erzählte mir dann auch von unternehmerischen Hintergründen und anstehenden Veränderungen – es war, als wäre ich auf einer Gefühlsebene plötzlich auf Augenhöhe gekommen. Trotzdem brauche ich natürlich alle Hinweise und Hilfen, aber es ist trotzdem auf eine Weise „mein“ Projekt.

Ich bin dann gleich losgefahren, um ein langes Maßband und einiges anderes Werkzeug zu kaufen. Den Nachmittag verbrachte ich damit, alles zu vermessen und in eine Skizze einzutragen. Damit kann ich einen Plan zeichnen, um zu zeigen, was ich mir vorstelle. Die Maße zu nehmen dauerte viel länger, als ich zuvor vermutet hatte. Ich fühlte mich dabei wie ein Junge mit einem etwas zu großen Spielzeug. Ich freute mich darüber, diese Chance mit dem Projekt zu haben und etwas selbst zu machen. Ab und zu kamen Stimmen hoch, die mich in der zweiten Person ansprachen: „Bildest Du Dir jetzt ein, mit soetwas arbeiten zu können? Das ist doch nur Spaß, den jeder andere liebend gern für sich allein macht. Außerdem hast Du keine Ahnung, und es gibt gerade hier zig andere, die das viel besser wissen und können. Schau Dich an, Du hast nicht den Biß und den Willen, die nötig sind, um selbständig zu überleben. etc.“ Diese Stimmen liefen aber ins Leere, denn es geht um ein Spielprojekt, und es interessiert mich dabei nur, etwas auszuprobieren, zu lernen und zu sehen, was herauskommt. Es gibt keinen Druck und keine Probleme. Ich finde sogar wichtig, möglichst bald zu sehen, ob es tatsächlich für mich eine Möglichkeit gibt, damit zu arbeiten. Ich sehe das jetzt anders. Wenn ich in der Richtung scheitere, dann ist es sogar gut, wenn ich das möglichst bald erfahre, statt das ewig aufzuschieben und mir lange vorzumachen, ich würde mich auf etwas „hinentwickeln“.

Verstandesumklammerung lockerer

Schon gestern geschrieben, aber nicht bis zum Ende:

Es war heute kühler, feucht, bedeckt und der Wind blies. Dabei arbeiten auch in mir starke Kräfte und etwas wird in Bewegung gesetzt, auf sehr wohltuende Art. Der herbstliche Tag brachte Klarheit mit sich, die mir guttat. Im Kopf herrschte Ruhe. Ich bin sehr dankbar, wenn das passiert.

Als ich vormittags etwas im Internet nachsah, stieß ich auf die Seite eines Gartengestalters, über die ich mich freute, als ich sie kurz überflog. Sie war sehr klar, übersichtlich und prägnant und strahlte dabei nicht nur Menschlichkeit aus, sondern auch eine überzeugende Qualität, sowohl die persönlichen Texte als auch die Bilder.

Das hatte schon gereicht, mich für den restlichen Tag zu inspirieren und an etwas zu erinnern. Plötzlich hatte alles wieder einen Sinn und Farbe, was ich tat. Etwas brannte wieder unerklärbar in mir. Ich hatte mich zuletzt hineingesteigert in das Gefühl von sinnlosem, zwecklosem Arbeiten als Sklave für jemand anderen. Außerdem ließ ich mich bedrücken und beeindrucken (und das ist für mich meistens wortwörtlich ein Druck) durch die düstere Atmosphäre aus vorgefertigtem Leben, Normierung und Festgefahrenheit, aus spießigem Einerlei, Selbst-Beschränkung und der einhergehenden, auszehrenden Bedeutungslosigkeit. Das alles begegnet mir häufig in der Arbeit, und dann fühle ich mich immer wie geschlagen und würde am liebsten sofort abhauen und mich irgendwo verkriechen, denn ich ertrage diese Härte nicht, mit der das Leben fast überall abgespult wird.

Aber es gibt aber auch noch etwas anderes bei der Arbeit in der Gärtnerei, das ich nur schwer erklären kann. Etwas Freies und Feines, und das ist nicht nur ein Hirngespinst, sondern ich erlebe es ganz real, richtig physisch. Etwas gut zu machen, einfach nur weil die Erfüllung schon darin liegt, auch wenn es noch so einfach ist. Draußen arbeiten zu können und das Wetter und die Umgebung hautnah zu spüren. Das Wunder zu erleben, wenn tatsächlich etwas wächst von den abgeschnittenen Stängeln. In fremden Gärten zu arbeiten und so Verschiedenes kennenzulernen. Und dann gibt es noch immer ein hintergründiges Gefühl, etwas Schönes zu erschaffen und etwas mit Freude und Sinn zu tun.

Hier wird sehr viel gearbeitet und es ist auch viel Arbeit nötig, um überhaupt alles am Laufen zu halten. Es funktioniert nur wegen dem Idealismus und der Gutmütigkeit der Beteiligten. Doch wenn ich es mir eingestehe, weiß ich, daß ich das nicht auf Dauer durchhalte, so wie es jetzt ist. Ich bin nicht so gebaut. Ich habe noch andere Interessen, die zu kurz kommen und die ich verleugne – ich sage mir nur immer, daß das eben jetzt so sei (und auch nötig sei), während ich all diese Dinge lerne. Überhaupt scheint im Bereich von körperlicher Arbeit völlige Verausgabung und lange Arbeitszeiten nicht nur normal, sondern sogar notwendig, um überhaupt leben zu können mit der Bezahlung. Irgendwie ist es eine Niederlage für mich, daß ich nicht einmal das schaffe. Ich bin nicht kompatibel mit der Welt wie sie ist bzw. in welche Strukturen das Leben gepreßt wird. Ich muß meine eigenen Strukturen durchsetzen, statt dieses zehrende Doppelleben zu führen und zu versuchen, alles zu erfüllen.

Noch etwas: Ich will nichts mit diesen emotionalen Verstrickungen zu tun haben, mit denen hier viel zusammenhängt; es herrscht hauptsächlich eine ziemlich einfache emotionale Ebene, die nur schwarz-weiß kennt: Verkumpelung oder Verfeindung. Und sogar die Haus- und Hofesoterikerin kommt noch mit ihren eigenen Wunschprojektionen auf das Unternehmen an. Diese Dinge stoßen mich ab. Ich merke dabei, daß ich nicht damit umgehen kann und daß meine erste Reaktion Flucht und Abkapselung ist. Als Antwort darauf werde ich karg und unnahbar. Doch soetwas wird immer wieder kommen im Leben. Es ist ein Illusion, mich von solchen Einflüssen abschotten zu können – dahinter steckt Vermeidung. Stattdessen muß ich für mich klar genug wissen, was ich will und was ich fühle, um dem etwas entgegenzusetzen zu haben. Nur wenn das klar genug ist und ich die Konsequenzen ziehe, kann ich für mich selbst integer sein.

Verstand und Leben

Momentan fällt mir auf, daß mir das Beobachten von Verstandesvorgängen sehr schwer fällt und nur selten gelingt. Bisher habe ich sehr viele Theorien dazu produziert oder statt hinzusehen mich selbst heruntergemacht bei Vorgängen, die mir nicht in den Kram paßten. Bei Nisargadatta fand ich ebenfalls eine Stelle, bei der er auf den Drang der Selbstverbesserung bei seinen Zuhörern bzw. Schülern hinweist.

Einfaches, direktes Hinsehen auf einen selbst und die eigene Situation wird durch Aktivität wie Selbstverbesserung vermieden. Mit Selbstverbesserung zu reagieren ist genau das: reagieren, und es zeigt etwas. Es ist kein eigenes Leben, sondern nur ein mechanischer Ablauf, angeregt durch einen äußeren Reiz. Da ist nichts eigenes.

Das heißt für mich: Ich muß Mensch genug sein, das anzusehen, daß da nichts ist, was ich selbst tue, vertrete, liebe. Das ist erstmal kaum zu ertragen. Da ist nichts von mir selbst, fast kein Selbstausdruck, auch im bisherigen Leben nicht. Und jetzt die verführerische Frage: Wird das so bleiben oder läßt sich dieser grauenhaften Zustand nicht sofort anpacken und ändern? Genau das ist Selbstverbesserung und ein Vorsatz im Verstand, ein Konzept, wie das Bild anders werden soll.

Diese Perspektive macht vieles klarer, wo sich bei mir die Frage v.a. um die Arbeit dreht.
Bei mir stellt sich die Frage gleich mehrmals am Tag: Was will ich in der Gärtnerei? Es tut mir gut, einfach an diesem Ort zu sein, draußen zu arbeiten und nichts Kompliziertes zu denken, höchstens praktische, organisatorische Dinge. Dabei überrascht es mich, wenn ich bei praktischen Angelegenheiten etwas durcheinanderbringe oder schwerfällig bin, wo für andere schon alles klar ist. Das finde ich interessant, denn ich hielt mich für praktischer als es tatsächlich der Fall ist.

Gleichzeitig gebe ich dort aber auch die Verantwortung ab und ordne mich unter. Ich frage mich dann, ob ich das nicht einfach als Ausrede benutze. Die allermeisten Ausbildungen haben diesen Charakter und auch das Versprechen, daß am Ende etwas herauskommt – so als wäre man mit dem Überreichen von einem Papier (Zeugnis oder Diplom, etc.) plötzlich und automatisch frei und unabhängig, als könne und wäre man nun das, was auf dem Papier steht. Vom passiven Ich-werde-ausgebildet-Denken (etwas passiert mit mir) freizusein heißt, zu wissen, was ich tue und warum. Dann weiß ich auch ganz klar, was und wieviel ich an jedem Tag profitiere, ob und was ich davon brauche. Und momentan merke ich, daß ich genau das brauche.

Noch etwas: Verantwortung für das eigene Leben zu haben hat sehr wohl etwas mit Denken zu tun. Die Unterscheidung von „denkendem Verstand“ und „arbeitendem Verstand“ von Nisargadatta hilft hier weiter. Der Verstand ist im besten Fall nur ein Werkzeug, um die eigenen Interessen und Ziele zu verfolgen. Zuerst ist es nötig, aus dem abstrahierenden, denkenden Verstand und der Welt der Vorstellungen und Illusionen herauszukommen. Dadurch entsteht ein besserer Kontakt zu Empfindungen und zum tieferen Wollen. Der arbeitende Verstand tritt dann ganz natürlich und ohne Anstrengung von selbst in Kraft, indem nach dem eigenen Empfinden gehandelt wird mit Rücksicht auf die Umstände. Mehr nicht. Da gibt es keine komplexen psychologischen Probleme, Gewissenskämpfe und emotionale Widersprüche (in was ich mich mit Introspektion verwickle), sondern nur praktische Fragestellungen. Das ist Klarheit.

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