Ich verstehe jetzt langsam erst etwas besser. Nach so langer Zeit.
Es geht um eine riesige Spaltung in mir und die gleiche Spaltung hat meine gesamten spirituellen Versuche durchzogen. Offensichtlich habe ich mir solche Leute ausgesucht, die das gleiche Problem haben – schlimmer noch, diese Spaltung wurde sogar noch verstärkt und aufrechtgehalten statt geheilt oder geklärt. Ich wußte instinktiv, daß ich dort schon vor geraumer Zeit herausgefallen war, wollte es mir aber nicht eingestehen, wollte das vermutete Großartige nicht aufgeben.
Daß hier etwas nicht stimmt ist als leises Gefühl schon länger vorhanden, viele Monate, doch es wird jetzt erst langsam klarer. Insbesondere hat das mit der handwerklichen und körperlichen Arbeit zu tun, bei der ich das für mich absolut 100% Richtige hautnah und körperlich erlebe, als unmittelbare Erfahrung und dann plötzlich überall, in der ganzen Umgebung und in jedem und allem, was mir begegnet und eben nicht nur gedacht, sondern wie ein Leuchten. Und nicht als irgendeine besondere Erfahrung oder Bewußtseinszustand, sondern gerade das Gegenteil, als Abwesenheit von Überlagerungen dieser einfachen Erlebensweise wie sie Kinder haben. Ich merke, ich werde nur sehr langsam nach und nach sicherer damit (ich schreibe absichtlich nicht, ich würde hier mehr “verstehen”), v.a. weil ich mir nie genügend getraut habe bisher. Was für ein unendlicher Fehler!
Und der besagten Spaltung von Liebe war ich schon sehr sehr lange aufgesessen:
Es geht um die Verwechselung und die Trennung zwischen Liebe zur/als Einheit (überwärts) und aktiver, konkreter, spürbarer menschlicher Liebe und Wärme (hier in der Welt, niederwärts). Die Trennung in beide Bereiche führt einerseits zu einem geistigen, himmlischen Ideal, eine Vorstellung von Liebe, die nicht zu realisieren ist – und andererseits muß dann jede konkrete Äußerung von Liebe minderwertig, fehlerbehaftet und sogar hässlich erscheinen und abgelehnt werden.
Dieser Verwirrung war ich mit meiner ersten Freundin schon aufgesessen und habe das damals schon durchschaut und wollte etwas Besseres – hatte ich gemeint.
Diese Trennung – es ist eigentlich die Körper-Geist-Spaltung – ist pures Gift, es zerstört das ganze Leben.
Wer in der Welt mit anderen Menschen zu tun hat (ob in einer Partnerschaft, Familie, einer WG, einer Hausgemeinschaft, einer Lebensgemeinschaft, mit Nachbarn, etc.), hat immer auch mit praktischen Vereinbarungen zu tun – ja, warum? Weil es Interessen, Interessensbereiche und dann auch daraus entstehende Interessenskonflikte gibt. Der Körper braucht auch Nahrung und Unterkunft und steht deswegen im Konflikt/Überlebenskampf mit anderen. Wer das nicht wahrhaben will, träumt mit offenen Augen. Und wer dieses Lebenstatsachen vermeiden will, sucht sich stattdessen eine ideale oder “himmlische Liebe”, die er dann “anhimmeln” kann. Er will mit der konkrete Welt nichts zu tun haben und flieht in eine geistige, idealisierte. Ist daran etwas auszusetzen? Nein, warum denn, solange es aus Liebe geschieht, aus Hinwendung zu etwas bislang Unbekanntem. Wer jedoch in der geistigen Welt verbittert ist und sich dorthin zurückzieht, sich aber in Wahrheit nach etwas anderem sehnt, sollte ebenfalls seinem Sehnen folgen und zwar bedingungslos – es wird ihn wieder herunterziehen in den Dreck der Erde – und nur das wird etwas lösen.
1.
Liebe in der Welt geht immer nach unten (Liebe zu den eigenen Kindern, zur eigenen Tätigkeit, zu anderen als Humor/spontane Offenheit und Hilfsbereitschaft, gegenüber Bedürftigen in einer Notlage, das ist Geben – erkennen was einer braucht und ihn zu unterstützen es zu erreichen). Das ist auch, sich keine Situationen auszusuchen und sie zu bewerten in Abhängigkeit davon, wie man sich darin fühlt, während man im Hinterkopf immer mit der Flucht als Ausweg spielt. Die Blickrichtung ist hier total falsch. Die Orientierung kann nur sein, was man liebt und will, nicht das, was man nicht will.
2.
Liebe mit einem Partner ist auf Augenhöhe, Geben und Nehmen/Austausch/im Wechsel und das beinhaltet auch praktische Vereinbarungen. Und wo es persönliche Bereiche und praktische Interessen gibt, gibt es auch Reibungspunkte, auch eigene Schwächen und die des anderen, Streitpunkte. Im besten Fall herrscht beiderseitiges Wohlwollen, sich gegenseitig zu unterstützen und die Punkte durchzugehen und auszuräumen. Auch gegenseitige Reaktionen auf die jeweiligen Charaktereigenschaften des anderen gehören hier mithinein. Das als häßlich oder schlecht anzusehen und zu meiden ist eben genau das: Vermeidung. In welcher sonstigen Umgebung könnten diese Dinge sonst herauskommen und tiefer durchschaut werden? Oder sollte es besser gar nicht berührt werden? Oder sollte etwa noch besser eine künstliche Umgebung zur Untersuchung dieser Dinge geschaffen werden, ein Kloster oder dergleichen? Ist es dort besser? Nein.
Wer das Konkrete nicht will, braucht auch nicht behaupten, er wolle Liebe. Denn er will ein körperloses, geistiges Ideal, eine Vorstellung, ein Hirngespinst, aber keine Liebe.
3.
Liebe als immer umfassendere Einheit zieht hinauf und löst das Ego auf. Besser: Das Ego wird eigentlich immer aufgelöst, als Geben (“nach unten”, man bekommt nichts zurück) und als dankbares Empfangen bzw. stilles Erleben vom eigenen Angenommen-sein unabhängig von der jeweiligen Erfahrung (richtet sich quasi “noch oben”) = Loslassen von Vorstellungen (jeder Moment ist immer anders als vorgestellt).
Insbesondere bleibt dabei kein Millimeter Raum mehr für Selbststilisierung des “Enttäuscht-” und “Zurückgestoßenseins” und “Ich liebe ja soviel, bekomme es aber nicht zurück” / “Nur ich allein liebe wirklich (himmlisch und absolut), alle anderen kennen das nicht einmal, sind es nicht wert, usw.”.
Als ein solcher “Geister”fahrer muß man sich schon einmal fragen, ob man selbst oder alle anderen in die falsche Richtung schauen – natürlich geht das nur wenn man nicht meint, eben gerade geistig alles schon himmelweit zu überblicken und schon völlig woanders zu sein, wobei man eigentlich weiß, daß diese Scheiß geistige Sicht einem einen absoluten Dreck einbringt in Hinsicht auf das, was man eigentlich will – echte konkrete Erfahrung von Liebe! Dazu muß man schon vom Roß herabsteigen und zusammen mit den Bettlern am Straßenrand sitzen, Herz vorausgesetzt.
Wer nicht lieben kann, der will geliebt werden und eine introvertiert-depressive Disposition versteigt sich bei Nichterfüllung ihrer Vorstellungen dann in unendlichen Weltschmerz und immer weitergehender Abschottung und noch tieferer Vergeistigung. Es braucht enorm viel Herz, um dann wieder auf die Erde zu kommen. In dieser idiotischen Denkweise war ich schon und das reicht mir jetzt endgültig. Fertig. Schluß. Aus. Ende! Endlich bin ich das los! Jetzt komme ich hier als Mensch mit einem Körper an. Schlimm genug, daß ich mich selbst vergewaltigt habe und auch noch meinte, das sei nötig. Ja, ich wollte leiden und habe es bekommen – und was ist der Nutzen: Null! Es war meine eigene Dummheit. Aber ich habe daraus gelernt. Das passiert mir nicht mehr. Wer nicht mit mir ist ist gegen mich.
In Wirklichkeit ist Lieben und Geliebtwerden die gleiche Erfahrung, genauso wie Selbstliebe und Liebe zu einem Gegenüber. Wer eine Trennung sieht, hat sich weit vorher schon aufgespalten oder hängt an einer falschen Vorstellung fest!
Wer das nicht kennt, dem ist nur zu raten: Folge Deinem Herz und mache alle sog. “Dummheiten” zu denen es Dich veranlaßt. Bedingungslos. Alles andere sind vorgeschobene Ausreden. Die eigene Dummheit, Feigheit und Ablehnung muß an der Wurzel erkannt werden und wie soll das gehen, wenn man immer noch darauf bedacht ist, “nichts falsch” zu machen, oder edler ausgedrückt “wenn man niemand anderen damit belästigen möchte” und wenn man sich selbst die Hände nicht schmutzig machen will. Mein Gott ist das erbärmlich und knausrig. Wer in diesem einen Leben nicht alles menschenmöglich ihm Erreichbare will – der, naja, läßt es eben bleiben. So ist das eben. Wer nicht durch das verdammte Tor durchwill, bleibt eben davor stehen.
In den letzten Tagen habe ich häufiger Bob Marley gehört. Dazwischen auch Schubert, der mich sofort ins Herz zieht – ich bin dann daran auch hängengeblieben. Aber Bob Marley wühlt mich viel mehr auf und paßt viel mehr zu meiner vorherrschenden Stimmung. Der Mann ist in einer Blechhütte aufgewachsen, auf gestampfter Erde und der spricht genau von dieser Liebe auf der Erde.
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