Eine Freundin von D. war zu Besuch und wir saßen zusammen und unterhielten uns. Immer wieder fiel mir auf, daß ich unterschwellig und versteckt D. angriff. Ich setzte v.a. ihre praktischen Fähigkeiten herab und machte mich versteckt und hinterfotzig über sie lustig, bohrte in charakterlichen Schwächen.
Ich merkte erst später ein wenig davon nachdem ich gegangen war. Als ich es heute morgen länger ansah, kam etwas von dem Mechanisumus zum Vorschein. Dahinter steckt eine Art Rache für mein eigenes Gefühl zu versagen. Ich fühle mich als Versager gegenüber D. und versuche es, ihr zuzuschieben, bzw. “die Schuld zu verteilen”. (Es klingt immer fürchterlich, den Zusammenhang deutlich aufzuschreiben, aber nur das hilft weiter.)
Es gibt bei mir einen engen Zusammenhang zwischen Gefühlen von Minderwertigkeit und hilflosen Versuchen das zu kompensieren. Die Mittel dafür sind übertriebene Forderungen an mich, überzogene Selbstvorstellungen und eine tiefsitzende selbstverliebte Eitelkeit. Ich schwanke zwischen den extremen Selbstbildern und Gefühlen von “Dreck” und “Superheld”, der vielleicht doch noch eine Chance hat. Vor allem die Menschen in meiner nächsten Nähe behandle ich ähnlich schlecht, weil sie niemals in diese überzogenen Vorstellungen passen, die ich als Projektionen zwanghaft austeile. Gerade im Kontakt mit anderen merke ich, was hier abläuft und auch, wie ich mich damit selbst behandle.
Dieses Mal war mir besonders die Zwanghaftigkeit des Verhaltens aufgefallen. Es war als könnte ich gar nicht anders (was nicht stimmt). Besonders in D.s Gegenwart laufe ich jetzt gegen meine eigene Wand. Ich fühle mich wie versteinert und sehne mich danach, aus dieser Härte und verbohrten Unflexibilität herauszukommen.
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Eins wurde mir noch klar als D. eine beiläufige Bemerkung machte über ihre und meine Unreife, an der irgendetwas nicht zu stimmen schien. Ich merkte später, ich hänge genau da drin fest: Ich richte das Augenmerk auf das Falsche und neutralisiere damit alle Beobachtungen, indem ich sie als verbale Formulierung und scheinbares Zugeben vor anderen hinausposaune.
Eine tatsächliche Beobachtung wird ihrer echten inneren Wirksamkeit beraubt und zu einer toten Worthülse des Verstandes; es wird sogar zu etwas Schädlichem und Eitlem (seht her, wie tugendhaft/demütig ich bin, mich selbst zu rügen). – In einer Halbschlafphase kam dazu ein Bild von Skorpionen, die aus Wörtern bestanden: verbale Giftstiche. – Schlecht von sich selbst zu denken und zu reden hilft nicht weiter, im Gegenteil. Denn die dahinterstehende Energie, die sich bei stillem Ansehen in echte Erkenntnis und Reue umwandeln könnte, wird vergeudet und in den Verstand (Wortbildung) umgeleitet. Es wird “Dampf abgelassen”, statt das Verhalten wirklich in Stille anzusehen und die damit einhergehenden Gefühle und Drücke auszuhalten, bis sich dahinter von selbst eine echte Lösung zeigt. (Selbst wenn die Lösung nicht kommt. Auch das Spekulieren darauf lenkt ab.)
Viel besser als das Herumwerfen und Baden im eigenen Dreck ist, mich an das zu halten, was aus dem eigenen Loch herauswill. Es gibt noch etwas, das positiv, leicht und freudig ist. Und wenn das nicht zu sehen ist, dann ist es besser darauf zu warten, als von außen Forderungen aufzustellen, sei es gegenüber mir selbst oder gegenüber anderen.
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