Ich habe mich ziemlich lange mit Händels Oper “Acis und Galatea” beschäftigt, von der wir Ausschnitte im Chor proben.
Die äußerst geschlossene, erhaben elegante Form wirkt wie ein Rahmen, innerhalb dessen die gesamte Handlung abläuft. Die Form bringt sehr viel Klarheit, auch alle dramatischen Gefühle von Schrecken, Wut, Kampf und Trauer können der völlig in sich ruhenden, beständigen Harmonie nichts anhaben.
Beim genauen Hinhören wirkt die Harmonie in der Musik mehr und mehr nur wie ein Wiederschein, der eine noch umfassendere Gleichmäßigkeit nur illustriert. Die Ruhe, die hinter allem ständig da ist, die ich aber übergehe und übersehe durch oberflächliche Faszinationen.
Die einfache Handlung und die archetypischen Gefühle in der mythologischen Welt tun mir gut. Ich merkte dabei deutlich, wie tief ich in der schlechten Gewohnheit hänge, mich so häufig in eigenen Unklarheiten und Widersprüchen zu verwickeln und festzufressen, statt mich davon zu befreien und für mich eine Klärung anzustreben.
Die Welt in dieser Oper ist eher wie ein Traum und wirkt auf einer tieferen Ebene, wo einfache Gefühle und Antriebe ablaufen – so klar wie ein Kind, das etwas will.
Mir fiel noch auf, wie solar diese Darstellung ist und wie mich das anzieht. Vor allem die “tanzenden Seelen”, bei dem eine Figur nicht nur gesungen sondern zusätzlich von einem weiteren Darsteller getanzt wird, fand ich genial.
Am meisten gefiel mir die Darstellung des Widersachers, dem Zyklopen Polyphem und dessen Baß-Arien. Schon die Einleitung zu seinem Auftritt ist einer stärksten Teile der ganzen Oper, von den Harmonien und den Stimmungen her, aber auch die Inszenierung, der Chor und die Ausleuchtung finde ich sehr gut abgestimmt.
(Arie “O Ruddier than the cherry”, Cease to beauty to be suing)
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