Mehrmals ist mir aufgefallen, wie ich mich zum Opfer von Sichtweisen anderer mache. Jeder sieht immer etwas von mir, was ich tue oder sage, und dann werde ich dementsprechend irgendwo eingeordnet. Wenn ich das übernehme, darauf eingehe, sogar schon wenn ich mich dafür interessiere, was ein anderer sich über mich zurechtlegt, habe ich im Grunde schon verloren. Dann habe ich mich schon aufgegeben und verraten.
Es gab mehrere Beispiele den Tag über, aber so deutlich wurde es erst mit einem jungen Kerl, der schnell um eine Ecke kam und mich überraschte, als ich gerade mit dem Rad unterwegs war. Ich hatte beim Ausweichen irgendeinen erstaunten Laut abgegeben, und der Kerl nahm das zum Anlaß, mich anzustänkern. Zuerst hatte ich ihn nicht verstanden und sprach noch gut aufgelegt, halb scherzend mit ihm. Er wiederholte etwas mit drohender Gebärde. Ich fand das fast lächerlich wie man in so einer Welt leben kann. Aber die Auswirkungen davon sind eben ganz real. Im nächsten Moment war blitzartig Wut in mir und ich gab etwas zurück. Ich fand das eine Unverschämtheit, daß der Kerl in seiner Traumwelt durch die Gegend läuft und einfach irgendjemand angeht, der ihm gerade begegnet. Ich hatte gute Lust, es darauf ankommen zu lassen (soetwas habe ich noch nie erlebt). Im gleichen Moment wurde mir klar, wie dumm und kindisch ich mich verhielt, indem ich einfach irgendeinen Dreck von jemand anderem übernommen hatte und mich darin bewegte. Erst zu dem Zeitpunkt hatte ich auch Angst. Ich beschwichtigte den Kerl dann mit einer Entschuldigung, fühlte mich nachher aber gedemütigt.
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