Zweimal hörte ich heute Bach, der sehr tief ging. Die Interpretation von Murray Perahia hat für mich eine Tiefe und Ernsthaftigkeit, die ich von nirgendwo anders kenne. Man mag vielleicht streiten, ob das die richtige Form ist oder wie Bach das gewollt hätte, ich kenne mich da auch nicht gut aus – aber ganz unabhängig von allen Überlegungen spricht mich etwas sehr stark bei seinen Aufnahmen an. Es ist dieses ernsthafte Abschiednehmen in den tiefen Ruhepunkten, ohne jede Trauer oder Zuversicht, einfach nur Seinlassen. Dahinter bleibt noch ein feiner Nachgeschmack von Freude und Dankbarkeit. In den spielerischeren Teilen liegt eine wohlgesetzte, ausgeformte Eleganz, die alle Freuden kennt und großzügig und genau in sich aufnimmt. Eine sehr ausgeprägte, geformte Feinheit des Pianisten klingt durch. Er berührt Bach spürbar mit größter Liebe und Verehrung und kommt ihm gerade dadurch auf eine persönliche Art sehr nahe. Es spricht eben auch immer der Interpret heraus, und das empfinde ich bei dieser Kombination überaus gelungen.
Was genau von Bach hast Du gehört?
Bei dem Eintrag die CD mit den Partiten 2, 3, 4.
Perahia ist mein Lieblingsinterpret der Klavierstücke von Bach. Es gibt auch interessante Interviews zu finden, wo er über die Zeit erzählt, als er aufgrund einer Verletzung nicht mehr spielen konnte, und was das bei ihm bewirkt hat.
http://www.musikmph.de/rare_music/performers/m_r/perahia_murray/1.html?nr=1