Was ist es, was ich immer unter dem Teppich halten will? Was ich nicht anschauen, nicht zulassen und erkennen will? Bestimmte ungute Gefühle, ein undeutliches Drücken, das ich dann immer nach außen verlagere und es z.B. der Arbeit anlaste. Durch die Veränderungen, die durch die Kraftübungen ausgelöst werden, merke ich, daß das nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hat. Es ist etwas, das ich selbst am Laufen halte. Da draußen funktioniert alles nach einer bestimmten Ordnung oder zumindest nach Gesetzmäßigkeiten – der Verhau ist in mir.
Was bedeutet die Ablehnung? An einem Moment hatte ich da einen tieferen Eindruck davon. Ich habe noch geschrieben, ich wolle nur ich selbst sein. Es klang in diesem Moment lächerlich in meinen Ohren. Wie einer, der tut, als würde er verdursten, dann aber das Wasser vor ihm ablehnt, weil er lieber Limonade will. Ich will Klarheit, aber nicht hinsehen. Wie soll da etwas klarwerden, wenn ich mich auf etwas Bestimmtes versteife? Ich kann ja gar nichts annehmen mit so einer Sturheit.
Warum lehne ich etwas ab? Weil es direkte Reaktionen erfordert. Oder noch nicht einmal das. Es erfordert direktes Hinsehen und eine Stellungnahme, dann brauche nicht einmal etwas Bestimmtes tun – es kommt nur auf meine eigene Haltung an, die ich kennen muß.
Es geht bei mir da um das Erkennen von dem, was ich selbst will und bin. Weil ich Selbstverleugnung und Unterdrückung so gewohnt bin, bin ich auch so unsicher. Ich verarsche mich selbst mit so einer Antihaltung. Es ist völlig klar, daß ich dann anfällig bin für jegliche Haltung, Situation oder Meinung, die mit ein wenig mehr Vehemenz daherkommt.
Zwei Beispiele:
Eine Frau im Zug las das gleiche Buch, das mir meine Mutter geschenkt hatte. Ich fragte sie nach ihrer Meinung. Aber ich merkte, wie ich da trotz des Impulses lange zögerte, und wie es sich dadurch zu einer richtigen Entscheidung aufbauschte. Aber ich schaute da auch nicht gleich wieder weg. Die Unsicherheit hat dort damit zu tun, daß ich meine Position lieber geheimhalte und mich nicht zeige. Das Ergebnis daraus ist aber immer eine noch härtere Mauer in meinem Kopf und eine unangenehme Verkrampfung. Ich ließ es dann einfach laufen, und dieser Stau in mir verflüssigte sich praktisch im gleichen Moment. Es entstand sogar ein kurzer, angenehmer Kontakt daraus. Was ich ablehne ist das Unbekannte, wo ich die Kontrolle aufgeben muß. Also bleibe ich normalerweise lieber allein in meiner stumpfen, grauen Kerkerzelle und miefe vor mich hin wie alle anderen auch. Dabei geht es doch viel einfacher, wenn ich mir nicht irgendetwas vorstelle, was andere über mich denken könnten, sondern einfach meinem Impuls folge. Ich lehne mich selbst ab, wie ich bin. Am Ende beziehe ich das dann auf den Körper und Körperlichkeit allgemein.
Ich merkte große Unsicherheit beim Zusammentreffen mit meinem momentanen Auftraggeber. Ich habe undeutliche Pläne, etwas anderes anzufangen. Er schüchterte mich ein, was ich denn da machen wolle und drängte auf eine Vertragsverlängerung, weil der Kunde sehr zufrieden ist und mein Auftraggeber bequem und gut Geld mit mir verdient, ohne irgendetwas tun zu müssen. Trotz der Unklarheit ließ ich mich nicht gleich umwerfen und lehnte ab. Ich blieb einfach bei meinem Standpunkt. Und plötzlich kam er ins Schwimmen, was trotz der Maskerade offensichtlich war. Das lief dann ab mit allerlei Floskeln in einer seltsamen Dritten-Person-Sprache („Wir sollten schon sehen, daß wir dies und jenes so und so machen, …“ etc.), um ja nicht zu sagen, was die eigenen Interessen sind, denn dann käme ja deutlicher heraus, was hier abläuft.
Plötzlich bot er mir dann von sich aus durch zusammengebissene Zähne eine Vereinbarung zu einem höheren Preis an, andere Leistungen wie Kurse, etc. Da wurde mir schlagartig etwas klar: Ich war schon wieder an einem Punkt, wo ich auf bestimmte äußere Umstände gehört und mich fremden Vorstellungen untergeordnet hatte – es ist ein richtiger automatischer Hörigkeitsreflex in mir, der eigentlich nur da ist, weil ich ohne diesen „Halt“ panische Angst habe. Ich beschwere und ärgere mich zwar über diesen Vorgang, aber ich verhalte mich nicht anders, weil es so eben einfacher ist. Eigentlich habe ich viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten, als ich zugeben will. Es braucht aber auch die entsprechende Kraft, das anzunehmen oder etwas abzulehnen. Ich muß nur wissen, wo ich bin. Dann brauche ich auch hinterher keine Zweifel und Bedauern mit mir herumtragen.
Nach der Begegnung fühlte ich mich zuerst schwach und durchgeschüttelt. Meine unklaren Träumereien liefen den Bach runter. Dann merkte ich aber, daß mir genau das guttat, denn ich muß mir da noch viel klarer werden. Mittlerweile habe ich mich gefangen und schon einen Anhaltspunkt, wie das weitergehen kann bei dem eigentlichen Termin.
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