Nachdem ich den Aufklärungen und Spiegelungen meinen Verhedderungen mit dem Wikitext nachgegangen war, war ich in einer eigenartigen Stimmung. Ich fühlte mich immer einsamer und hilfloser. Ich bin also schon kurz vor dem Endstadium der Egoverhärtung.
Immer wieder irre ich ab und vermute noch große Entdeckungen, aber das Einfache, das Naheliegende will ich immer übergehen. T.s Eintrag hat das auf den Kopf getroffen. Das banale Leben lernen, das brauche ich auch immer wieder, statt nur herumzuirren und mir irgendwelche Vorstellungen zu machen.
Auf dem Markt hat mich heute meine Unsicherheit direkt überwältigt. Ich traf zufällig D., aber ich fühlte mich nicht gewachsen, ich war kaum vorhanden. Es war, als erwartete sie einen bestimmten Menschen, ich spielte noch mechanisch mit, aber tieferliegend kam eine Angst in mir auf. Irgendetwas behagte mir gar nicht an der Situation, aber das hatte nur mit mir zu tun.
An einem Stand wartete ich ziemlich lange und wurde mehrmals offensichtlich übersehen. Irgendwann meldete ich mich dann lautstark auf die Frage, wer als nächstes an der Reihe wäre. Die Frau neben mir wollte mir das immer noch streitig machen. Das ärgerte ich mich dann wirklich und ich bestand darauf, dranzukommen. Ich fand das immer lächerlich, wenn sich jemand über soetwas aufregte, aber heute war ich wirklich getroffen. Ich kam mir genauso vor wie gegenüber von bestimmten Frauen. An bestimmten Stellen gibt es mich anscheinend gar nicht. Manchmal kommt es mir so vor, als steckten alle unter einer Decke, nur ich gehöre nicht dazu – das ist ein seltenes Gefühl, das ich aber schon lange kenne. Meine übliche Reaktion war dann immer, einen Fehler bei mir zu suchen und mich irgendwie zu verstellen und zu versuchen, mich anzupassen. Heute konfrontierte ich das zum ersten Mal, denn ich fühlte mich wirklich schmerzhaft mißachtet.
Wenigstens habe ich momentan wieder etwas mehr körperliche Kraft. Ich hab dann alles geputzt und in Ordnung gebracht, was anstand. Ich freute mich sehr, als W. anrief, um mich kurzfristig samt Familie zu besuchen. Das änderte schlagartig meine Stimmung und ich betrachtete diesen völligen Umschwung und registrierte, wie stark ich von äußeren Umständen abhängig und beeinflußbar bin.
Als er dann da war, ging ein unterliegendes Gefühl von Hohlheit nicht weg, das mir wehtat. Da passierte nichts Tiefes (im Sinn von geistig), das Leben ist nur ein bißchen Lachen und Weinen, kam ein Satz hoch. Dieses Urvertrauen und die Unverstelltheit der Kinder tat sehr gut und erinnerte mich daran, wie einfach das ist. Was gibt es mehr zu erwarten? Mit meinen Vorstellungen verschließe ich mich dagegen und enge mich auf etwas ein, was nie kommen wird und unerreichbar ist. Da zeigt sich wieder etwas: genau das ist Lebensangst. Mir reicht das jetzt erstmal, diese Unsicherheit und Angst einzugestehen und zu betrachten – den Fehler, da etwas verbessern zu wollen, habe ich schon oft genug gemacht.
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