Mehrmals auf dem Heimweg merkte ich, wie verkrampft ich war und wie ich mich damit aus der aktuellen Situation hinauszwängte. Ich traf einen Chinesen auf dem Bahnsteig, den ich vom Sehen aus der Firma kannte. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob er es war und versteckte mich hinter einer üblichen aufgesetzten Anteilnahmslosigkeit und hatte ihn im selben Moment schon fast vergessen. Das lief so automatisch ab, daß es mir erst auffiel, als er mich von sich auch ansprach. Ich unterhielt mich kurz mit ihm und erklärte ihm dann den rechten Weg zum Flughafen. Ich fühlte mich peinlich berührt, weil ich mich so bedeckt gehalten hatte bei so einer einfachen Situation – ich hätte ja mit „jemand falschem“ Kontakt aufnehmen können. Ich war so unoffen, weil ich ja „nicht noch etwas ertragen“ konnte nach meinem Tag. Dabei fühlte ich mich nach der Berührung viel leichter – was hatte sich denn da so gewehrt in mir? Meine Verbohrtheit war entlarvt.
Auf dem Weg vom Bahnhof schwirrten meine Gedanken lose vor sich hin während ich verdrossen vor mich hintrottete, müde, zerstreut und verschwitzt. Ich ging zwar schon langsam, denn jede falsche Hetze, die bei mir schon sehr stark ausgeprägt war, läßt in mir etwas entstehen, was sich gar nicht mehr gut anfühlt.
Trotzdem war ich innerlich noch verkrampft. Als ich das plötzlich sah, wie alles um meine Befindlichkeit schwirrte und irgendeine erwartete Lösung, fiel eine große Last von meinen Schultern. Dann war ich eben müde und zerstreut, aber kein Grund mich auch noch selbst dafür zu peinigen mit Lösungserwartungen und Abneigungen dagegen, die nur mein Erleben verdecken. Ich ging weiter, als wäre ich gerade durch einen Vorhang aus einer miefigen Rumpelkammer an die frische Luft getreten. Jetzt nahm ich erst wahr.
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