Länger höre ich schon angenehme Klänge einer Klarinette durch das offene Fenster. Irgendwann gehe ich hinaus und folge dem. Ein Mann spielt ein paar Straßen weiter öffentlich Stücke von Mozart, Bach u.a. Wieder ein öffentlicher Musiker. Ich denke, genau dafür ist Musik gemacht – als ein Teil des Alltags, der einen an etwas anderes erinnert. So direkt hat es eine ganz bestimmte, völlig andere Wirkung als in einem Konzertsaal. Die ganze Umgebung verwandelt sich dadurch und es ist, als fließe alles durch mich hindurch. Ich gehe länger in seiner Nähe herum und lasse die Eindrücke auf mich wirken, denn alles ist neu und verändert. Alles macht Sinn und alle umliegenden Häuser des Platzes verwandeln sich in Orte, an denen Menschen leben und arbeiten. Alles wird lebendig und sinnvoll. Ganz langsam gehe ich dort herum, betrachte die Spaziergänger und ihre Gesichter und Reaktionen auf die Musik (Kurz sich wundernd, flüchtig zustimmend wie kurz herausgerissen oder auch spöttisch ablehnend oder ganz abgeschlossen, dumpf und unempfindlich. Kaum jemand nimmt es wirklich wahr, so wie ich. Nur zwei Kinder reagieren direkt darauf, die gleich vor und mit dem Mann spielen). Auch meine eigene Haltung ist sehr verändert. Ich fühle mich ganz frei und offen, Kontakt mit anderen aufzunehmen in dieser Leichtigkeit und Verbundenheit. Ich brauche nur dabei zuzusehen. Ich unterhalte mich auch kurz mit diesem Mann über seine Musik, aber er scheint mir selbst gar nichts zu wissen von dem Geheimnis, das um ihn herum passiert durch sein Spiel. Oder er ist es so gewohnt, daß es nichts Besonderes mehr ist für ihn.
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