Ich fahre auf dem Gepäckträger bei einem kräftigen Bekannten auf dem Fahrrad mit. Wie als Kind im Stehen. Wir fahren in einer hellen Vollmondnacht durch einen Park, der plötzlich wie ein weiter Wald mit vielen Lichtungen aussieht. Schon von sehr weit höre ich einen Hund wütend bellen. Ich weiß, daß er mich verfolgt. Als er in Sichtweite kommt, geht es schnell. Ich treibe den Fahrradfahrer an, denn der Hund braucht nur ein wenig zu springen, um mich zu beißen.
Kurz bevor er ganz herangekommen ist, springe ich sehr hoch und kann mich an irgendetwas festhalten. Das beginnt plötzlich zu fliegen und ich steige immer höher. Aber der Hund springt und schnappt noch nach mir, während ich dort hänge. Er kann sehr hoch springen, bis er ebenfalls fast fliegt. Er verfehlt mich immer nur um Haaresbreite. Als ich irgendwann hochsehe, merke ich, daß ich ebenfalls an einem Hund der gleichen Rasse hänge. Er hat aber noch Flügel. Ich sitze in der Falle – er läßt mich jetzt langsam hinunter und ich weiß, daß mich jetzt der andere erwischen wird. Jetzt wo mir das klarwird, bleibe ich ruhig.
Ich flüchte vor dem verfolgenden Hund, aber es ist keine Angst da. Das Gefühl ist eher eine altbekannte Flucht, die ich ertrage, weil sie schon ziemlich lange so geht. Ich bin dem überdrüssig.
Ich benutze für die Flucht andere Kräfte, als meine eigenen (Fahrradfahrer, fliegender Hund).
Ich interpretiere es so, daß ich mich immer nach anderen richte, nach anderen Vorstellungen und äußeren Vorgaben, was leichter ist, als zu mir zu stehen. Ich bin ein Trittbrettfahrer. Ich bringe das vor allem mit der Arbeitsgeschichte in Zusammenhang. Wenn ich schon weiß, daß ich dort nichts wirkliches finden kann, ist das nur ein Aufschieben. Ich weiß, daß ich vor etwas davonlaufe, das ich nicht sehen will. Vielleicht komme ich nie irgendwoanders hin. Es wäre nur eine „fliegende Ausflucht“. Am Ende würde ich doch wieder zurückfallen. Genau das habe ich gestern noch ins Tagebuch geschrieben.
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