Archiv für 21. Mai 2008

21.5.2008

Morgens bin ich sehr präsent in dieser eigenartigen Stille (Schulferien und überall entsprechend weniger Betrieb). Ich genieße den Nieselregen und den grauen Himmel. Ich emfinde das heute, zusammen mit dem strahlenden Grün, das mir immer noch neu und frisch vorkommt, wie eine kühlende, herbe Echtheit und Klarheit.

Den Tag über merkte ich aber, wie diese Unklarheit und Schlaf, bei dem ich mich noch bewußt fühle (nur bis mir das Gegenteil auffällt), in mir heraufgekrochen kam.
Ich kam spät nach Hause und fuhr direkt zur Chorprobe. Danach war ich sehr durcheinander. Dort war heute die allgemeine Konzentration sehr schlecht und ich wurde ganz damit fortgespült.

Traum von der Abkehr

In einem sehr vollen Bus zusammen mit jemand anderem. Der Bus hält vor dem neuen Stadion, das (im Traum) neben dem Flughafen steht. Es steigen viele aus, bzw. ein wegen diesem Publikumsmagnet. Ich sehe (wie üblich in meinem Traumalltag) ungeduldig und sehnsüchtig nach draußen in die Ferne über die Wiesen und den entfernten Wald. Plötzlich gibt es eine Panik. Gerüchte von einem Terroranschlag gehen herum. Ich ahne oder weiß dunkel, daß die Regierung dahintersteckt. Nicht direkt, aber es wird dort etwas absichtlich nicht verhindert, damit nachher irgendwelche Überwachungsmaßnahmen gegen die Menschen eingeführt werden können.
Ein kleiner Junge neben mir ruft völlig in Angst aufgelöst seine Eltern an. Ich nehme ihn an der Hand und zusammen gehen wir nach draußen. Ganz ruhig. Ich weiß, daß wir genügend Zeit haben und nicht rennen müssen. Wir gehen einfach auf die Wiesen hinaus, weg von dem ganzen Auflauf und Chaos und auf den Wald zu (der gleiche Wald wie aus dem ersten Traum). Dort gibt es eine Abkürzung nach Moosach, wo der Junge hin muß. Ich habe seinem Vater am Telefon versichert, daß er dort sicher ankommt.

Der Flughafen und das Stadion sind zwei große Anlagen, die von einem meiner Lieblingspunkte auf dem Weihenstephaner Berg zu sehen sind. Sie symbolisieren mein ungutes Gefühl (Schwäche, Rastlosigkeit, Verwirrung, dunkle Angst), die mich an solchen Orten häufig befallen.
Das Gefühl im Traum ist befreiend. Endlich weiß ich, daß ich dem nicht hilflos ausgeliefert bin. Ich gehe einfach weg. Es gibt noch Möglichkeiten. In gewissem Maß bin ich sogar froh, daß sich die Situation dort so zugespitzt hat. Es tut gut, selbst etwas zu unternehmen.

Traum von Verfolgung

Ich fahre auf dem Gepäckträger bei einem kräftigen Bekannten auf dem Fahrrad mit. Wie als Kind im Stehen. Wir fahren in einer hellen Vollmondnacht durch einen Park, der plötzlich wie ein weiter Wald mit vielen Lichtungen aussieht. Schon von sehr weit höre ich einen Hund wütend bellen. Ich weiß, daß er mich verfolgt. Als er in Sichtweite kommt, geht es schnell. Ich treibe den Fahrradfahrer an, denn der Hund braucht nur ein wenig zu springen, um mich zu beißen.
Kurz bevor er ganz herangekommen ist, springe ich sehr hoch und kann mich an irgendetwas festhalten. Das beginnt plötzlich zu fliegen und ich steige immer höher. Aber der Hund springt und schnappt noch nach mir, während ich dort hänge. Er kann sehr hoch springen, bis er ebenfalls fast fliegt. Er verfehlt mich immer nur um Haaresbreite. Als ich irgendwann hochsehe, merke ich, daß ich ebenfalls an einem Hund der gleichen Rasse hänge. Er hat aber noch Flügel. Ich sitze in der Falle – er läßt mich jetzt langsam hinunter und ich weiß, daß mich jetzt der andere erwischen wird. Jetzt wo mir das klarwird, bleibe ich ruhig.

Ich flüchte vor dem verfolgenden Hund, aber es ist keine Angst da. Das Gefühl ist eher eine altbekannte Flucht, die ich ertrage, weil sie schon ziemlich lange so geht. Ich bin dem überdrüssig.
Ich benutze für die Flucht andere Kräfte, als meine eigenen (Fahrradfahrer, fliegender Hund).
Ich interpretiere es so, daß ich mich immer nach anderen richte, nach anderen Vorstellungen und äußeren Vorgaben, was leichter ist, als zu mir zu stehen. Ich bin ein Trittbrettfahrer. Ich bringe das vor allem mit der Arbeitsgeschichte in Zusammenhang. Wenn ich schon weiß, daß ich dort nichts wirkliches finden kann, ist das nur ein Aufschieben. Ich weiß, daß ich vor etwas davonlaufe, das ich nicht sehen will. Vielleicht komme ich nie irgendwoanders hin. Es wäre nur eine „fliegende Ausflucht“. Am Ende würde ich doch wieder zurückfallen. Genau das habe ich gestern noch ins Tagebuch geschrieben.