Eine große Sanftheit begleitet mich heute.
Ich laufe nach dem Museumsbesuch einfach so durch die Innenstadt. In der Fußgängerzone spielt dieser eine Straßenpianist auf seinem echten Konzertflügel in einer der Arkaden. Draußen regnet es etwas und die Menschen, die trotz geschlossener Geschäfte hier sind, finden sich in dem Gang zusammen. Es ist, als würde etwas Magisches geschehen. Die Mondscheinsonate ist sehr stimmungsvoll, der Flügel so erhaben und edel. Die harten, hässlichen Lampen und die Schaufenstereinrichtung des Geschäfts, vor dem er spielt, sehen dagegen so billig, hart und plump aus, nichts paßte hier zusammen. Aber gerade dieser Kontrast ist wie ein schneidendes Messer, das genau diese Trennung durchtrennt und wieder aufhebt - es gibt keine mehreren Welten - eine banale und eine erhabene. Er spielt mit beeindruckender Qualität und man kommt gerade auf zwei Meter bis an den Flügel - es ist unglaublich dicht. Auch gerade mit all den anderen, zufälligen Menschen dort. Es ist, als schaffe diese Musik einen riesigen, großzügigen Raum, in dem alles aufgeht und angenommen wird. Alles ist in Ordnung, alle Lieblosigkeiten, Schwierigkeiten, Hässlichkeiten und Banalitäten dürfen darin vorkommen, aufblühen, verwelken und abfallen, damit nur das Echte übrigbleibt. Es ist wie eine große Umarmung. Es gibt keine Trennung, dieser Pianist ist auch nur ein Mensch, genauso wie der Beethoven, und die Zuhörer - der Unterschied ist nur, in welchem Maß einer zu sich steht. Ich war tief bewegt davon.
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