Archiv für 17. Mai 2008

Antriebslosigkeit

Gestern war ein Tag Pause in diesem Vorgang. Ich hatte mich in der Arbeit wegen Übelkeit entschuldigt und konnte zu Hause arbeiten. Es ging mir tagsüber wieder erstaunlich gut und ich meinte, ich hätte es jetzt überstanden. Nach getaner Arbeit freute ich mich sogar, denn ich hatte endlich wieder einmal etwas geschafft.
Danach war ich spazieren. Alles lief ab wie in einem Film, leicht und problemlos.

Heute kam dann diese Antriebslosigkeit schon wieder geballt zurück. Dazu noch Magenschmerzen, Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden, als würde sich alles in mir umdrehen und gären. Vielleicht wehre ich mich auch gegen etwas, das ich nicht hochkommen lassen will.
Ich merke, daß da noch viel ungelöst ist und das ist unangenehm - aber ich weiß auch nicht, wie ich es hervorkommen lassen könnte. Ich habe mich jetzt schon gefragt, ob das nicht selbst schon wieder ein Mechanismus ist, mit dem ich weitere Antriebe, die ich nicht sehen will, per Denken unterdrücke.

Ich war mit meiner Schwester verabredet. Doch als ich am Bahnhof stand, ging es mir immer schlechter und eigentlich wollte ich gar nicht nach München hineinfahren. Ich drehte um, schlich zurück zur Wohnung und sagte ihr ab. Dann legte ich mich hin, konnte aber trotz Müdigkeit nicht einschlafen, nur dösen. Vielleicht ist es auch GLs Buch, das mich so aufarbeitet. Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Heute weiß ich, daß ich nicht einmal in die Nähe seiner Offenheit, Verletzlichkeit, Feinfühligkeit und Intensität komme. Momentan fühle ich mich so völlig banal, nichtssagend und ahnungslos. Es ist wirklich beschämend, ich bin nur ein nutzloses und sinnloses Wesen ohne jeden Eigenantrieb und weiß nichts mehr mit mir anzufangen.
Ich war richtig froh, als mir die volle Saftflasche aus der Kühlschranktür fiel und zerbrach. Dadurch hatte ich wenigstens eine äußere Veranlassung, etwas in die Hand zu nehmen, denn von mir kommt nichts.

Esoterikverdummung

Da meine Mutter meint, ich hätte ungelöste Probleme und unklare Ziele (was sicher so ist, aber ich kann jetzt nichts daran ändern, weil ich es für Selbstbetrug halte, einfach irgendetwas zu tun, um in einen Wohlfühlbereich zu gelangen), fühlte sie sich dazu berufen, mir so einen Gedankenverbesserungsschinken zu schicken.
Ich hatte heute kurz reingeschaut, aber es überkam mich ein kaltes Grausen - aber ich habe es nie wirklich betrachtet, was mich bei soetwas schlechtfühlen läßt. Alles was dort steht heißt: Man müsse nur richtig denken, dann käme alles zu einem, das große Geld, der richtige Partner, der Sportwagen, die gewünschte Arbeitsstelle, usw. Das strahlen einem all diese erfolgreichen Doktoren, Psychologen, Coaches und Esoteriker und was weiß ich wer noch alles entgegen.
Aber mir kommt das Grauen bei all dieser grinsender Erfüllung, Äußerlichkeiten und vor allem diesem schlimmen Aufruf zum Selbstbetrug. An einigen Stellen kommt mir sogar etwas Wahres entgegen (sind ja auch zusammenhanglose Zitate von Buddha, Jesus, Einstein, DaVinci, etc. eingestreut, alles vermengt mit ein wenig Quantenmechanik-Blabla, und einmal umgerührt) und bestimmt habe ich auch noch solche negativen Sätze in mir, wie GL letztens einen bei mir ganz mühelos herausgezogen hat.
Ich finde es aber einen unerhörten Betrug, wenn den Menschen vorgegaukelt wird, sie könnten mit ihrem Denken magische Dinge erreichen.
1. Angenommen, es funktioniert bei einem nicht. Der findet sich dann in einer Situation, wo er noch mehr auf sich herumhacken und sich schlechtfühlen muß (denn daß er unglücklich ist, hat er sich schon eingestanden, sonst läse er ja nicht so ein Buch), weil es ja in seinem Fall nicht funktioniert und offenbar etwas mit ihm selbst falsch sein muß - schließlich wird es so dargestellt, daß das immer und unfehlbar klappt.
2. Es ist ein furchtbarer Selbstbetrug und das Hinterhältigste und Gemeinste, was man einem Menschen sagen kann, denn es heizt die Illusion der Bedeutung des Denkens noch so richtig an. Wenn es nicht heute in Erfüllung geht, dann morgen usw., nur niemals aufgeben, immer positiv bleiben. Wenn es nicht so kommt, wie gewünscht, ist das nicht die Wirklichkeit oder Wahrheit, sondern zu der Niederlagen einfach noch ein weiteres Versagen im Denken - das ist ja das Ichspiel auf Steroiden. Selbst wenn etwas erreicht würde, kommt ja dann gleich wieder das nächste, usw. - nur in die Gegenrichtung soll ja nie geschaut werden, auf den, der das alles will und warum.
3. Es geht darum, etwas zu verbessern an einem selbst. Es ist nicht nur subtil eingeflöste, gesellschaftlich aufrechterhaltene Selbstsuggestion, sondern es wird hier sogar noch plump und aktiv verabreicht. Aber was geschieht mit all diesen unhinterfragten Zusammenhängen, all diesen unschönen Dingen, die tief in einem schlummern und das eigentliche Glück ruinieren? Dem Buch nach DARF man sich mit solchen Dingen gar nicht beschäftigen, denn das würde ihnen ja noch weiter “Kraft” zuführen. Es ist einfach ein magisches Denken für Leute im geistigen Vorschulalter. Ich finde das eine unerhörte Verdummung, aber man muß nur einmal schauen, die Selbsthilfe- und Esoterikregale in den Buchhandlungen sind voll mit solchem Schund.