Gestern war ein Tag Pause in diesem Vorgang. Ich hatte mich in der Arbeit wegen Übelkeit entschuldigt und konnte zu Hause arbeiten. Es ging mir tagsüber wieder erstaunlich gut und ich meinte, ich hätte es jetzt überstanden. Nach getaner Arbeit freute ich mich sogar, denn ich hatte endlich wieder einmal etwas geschafft.
Danach war ich spazieren. Alles lief ab wie in einem Film, leicht und problemlos.
Heute kam dann diese Antriebslosigkeit schon wieder geballt zurück. Dazu noch Magenschmerzen, Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden, als würde sich alles in mir umdrehen und gären. Vielleicht wehre ich mich auch gegen etwas, das ich nicht hochkommen lassen will.
Ich merke, daß da noch viel ungelöst ist und das ist unangenehm - aber ich weiß auch nicht, wie ich es hervorkommen lassen könnte. Ich habe mich jetzt schon gefragt, ob das nicht selbst schon wieder ein Mechanismus ist, mit dem ich weitere Antriebe, die ich nicht sehen will, per Denken unterdrücke.
Ich war mit meiner Schwester verabredet. Doch als ich am Bahnhof stand, ging es mir immer schlechter und eigentlich wollte ich gar nicht nach München hineinfahren. Ich drehte um, schlich zurück zur Wohnung und sagte ihr ab. Dann legte ich mich hin, konnte aber trotz Müdigkeit nicht einschlafen, nur dösen. Vielleicht ist es auch GLs Buch, das mich so aufarbeitet. Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Heute weiß ich, daß ich nicht einmal in die Nähe seiner Offenheit, Verletzlichkeit, Feinfühligkeit und Intensität komme. Momentan fühle ich mich so völlig banal, nichtssagend und ahnungslos. Es ist wirklich beschämend, ich bin nur ein nutzloses und sinnloses Wesen ohne jeden Eigenantrieb und weiß nichts mehr mit mir anzufangen.
Ich war richtig froh, als mir die volle Saftflasche aus der Kühlschranktür fiel und zerbrach. Dadurch hatte ich wenigstens eine äußere Veranlassung, etwas in die Hand zu nehmen, denn von mir kommt nichts.