Traum von der Entscheidung zwischen zwei Kindern

Traum:
Eine Familie mit vier Kindern ist zu Besuch. Ich habe das vorletzte Kind auf dem Arm, die Eltern sind gerade beschäftigt. Ich bemerke plötzlich das kleinste, das sich aus irgendeinem Grund auf einer Art Wäscheständer befindet. Es ist aber so klein, daß es zwischen den gespannten Leinen hindurchfällt, gerade als ich hinsehe. Alles bewegt sich in Zeitlupe und ich muß blitzschnell handeln, um das Kind aufzufangen. Durch die schnelle Bewegung und Drehung werde ich aber das Kind auf meinem Arm verletzen, weil es vielleicht irgendwo anschlägt. Der Gedanke an den Vater schießt mir durch den Kopf - ich bin Schuld an der Verletzung eines der Kinder, aber ich kann es nicht verhindern. Ich entscheide mich, das fallende kleine aufzufangen, denn das ältere wird den möglichen Stoß vielleicht besser aushalten.

Die Kinder interpretiere ich als symbolische Lebensaufgaben, konkret meine Arbeitssituation.
Der Gedanke an den Vater hat mit meinem eigenen Vater zu tun. Er sagte mir schon einmal, daß er sich verantwortlich fühle für meine Kämpfe damit, denn er hätte mich bewußt zu dem gedrängt und darin bestärkt, was ich tue. Das ist natürlich im Nachhinein Blödsinn, denn was soll denn das bringen, außer sich selbst gut zu fühlen mit einer vermeintlich liebenden Beschäftigung mit dem anderen - ich trage ihm nichts nach, denn ich war selbst immer nur dem Bild gefolgt, meine Eltern möglichst glücklich zu machen - auf mich zu hören dazu war kein Anlaß.
Jemand könnte sagen, der hat Probleme, beschwert sich, in einem liebenden Elternhaus aufgewachsen zu sein - anderen war das nie vergönnt. Aber ich merke da doch ganz innen eine versteckte Wut, daß meine Eltern meine Selbständigkeit nicht gefördert, sondern vor allem an genügend anderen Stellen viel zu lange untergraben und mich gezielt kleingehalten haben. Ich war zu schwach und unsicher, mich von selbst zu lösen durch all die aufgeladene “Schuld”, die ich ihnen gegenüber hätte, wegen der glücklichen Kindheit und ihren Investitionen in uns Kinder. Selbst heute noch ertappe ich mich dabei, wie ich in diese Untertanenrolle hineinfalle. Das ganze Familienbild sieht wunderschön und heil aus, aber es war ein goldenes Gefängnis, in dem ich mich mästen ließ, bis ich vor lauter Weichheit und Gefahrlosigkeit merkte, daß ich nicht allein gehen kann.
Erst jetzt wird mir klar, daß meine Eltern so mit uns umgehen mußten. Sie hatten sich selbst auch nur immer aneinander festgehalten und uns in dieses enge Bild des abgetrennten Paradieses der Familie inmitten einer feindlichen Welt hineingestellt. Alles geschah nur mit den besten Absichten. Aber es waren eben Absichten, denn da wurde nicht hingesehen. Ein erwachsener Mensch weiß seine Kinder einzuschätzen und weiß, daß sie nicht ewig beschützbar und kontrollierbar sind. Zu lange beschützen wollen richtet sogar großen Schaden an, denn wie soll sich denn Selbstständigkeit entwickeln und die Bereitschaft, Fehler zu machen - wirklich zu leben und sich auszuprobieren. Verletzungen und Niederlagen dürfen niemals aus falsch verstandener Liebe noch unter Zwang vermieden werden, denn wie soll denn sonst jemand ein eigenständiger Mensch werden, der auch mit diesen Aspekten umgehen kann.
Aber diese vergangenen Dinge interessieren jetzt eigentlich nicht mehr. Die Frage ist, was ich jetzt damit anfange.

Ich fühle mich immer wie ein Fisch auf dem Trockenen, ohne Perspektive, so als würde ich nie meinen Platz finden - da ändert auch meine Selbstständigkeit nur teilweise etwas, ich komme mir einfach falsch vor. Vor kurzem hat jemand über einen dritten über mich gesagt: armer Kerl, er hat immer noch nicht verstanden, daß Arbeit eben nur Arbeit ist und er hängt noch an irgendwelchen Vorstellungen von Berufung und Erfüllung; das solle man schnell vergessen und alles andere doch in die Freizeit verlagern. Aber so resignieren und es dann fröhlich wegstecken und vergessen kann ich nicht. Es kommt ja doch immer wieder zurück, und außerdem ist es mir ein zu großer Teil in meinem Leben, den ich damit wegwerfen würde. Es ist nur so, daß mir mittlerweile auch noch die letzten Ideen und Vorstellung von Veränderung meiner Situation ausgehen, die ich noch an Idealvorstellungen gehängt hatte, ich würde irgendwann meine Bestimmung finden, wo ich mich mit Freude und Kreativität einbringen kann. Ich merke dabei auch, daß ich praktisch erwarte, die Welt müßte nur auf mich gewartet haben, alle Türen müßten mir weit offen stehen, wie es bisher immer war. Ich erkenne wohl, daß diese Kur wahrscheinlich recht heilsam ist für mich, aber es ändert nichts daran, daß ich darunter leide.

Es geht jetzt hingegen immer tiefer. Ich habe viel zu spät gemerkt, daß ich mich auf einem falschen Schiff befinde, habe das aber immer weiter nebenbei laufen lassen ohne es anzusehen, weil es mir damals nicht viel Mühe machte und ich viele andere Dingen in der ganzen Umgebung zu entdecken hatte (als ich meine Jugenderfahrungen von Selbstständigkeit nachholen mußte, die mir bis zur Volljährigkeit verboten waren). Jetzt befinde ich mich an einem Punkt, wo die Beschäftigungen, die mir offenstehen, mich nicht mehr interessieren, schlimmer: mich sogar abstoßen. Nirgends sehe ich eine Chance, etwas Sinnvolles oder Befriedigendes zu tun, wo ich mir selbst wertvoll vorkomme und nicht wie ein Handlanger des technokratischen Wahnsinns (das sind nur z.T. äußere Projektionen, bei manchen Projekten bekomme ich wirklich große Angst und mir wird übel, wenn ich nur davon erfahre).

Das kleinere Kind ist weiter weg, eine Chance, die ich ergreifen kann. Es geht da um diese andere Arbeit. Ich würde meiner Selbständigkeit (dem Kind auf meinem Arm) vielleicht keinen oder nur einen kleinen Schaden hinzufügen, wenn ich für ein paar Monate etwas anderes versuche - glücklicherweise habe ich jetzt ein kleines Polster und kann mich das erste Mal aufrichten und umsehen. Entschieden habe ich mich schon. Heute war der Termin für den Anruf bei dieser Firma mit dem Praktikum. Letztens war ich noch Feuer und Flamme für diese Veränderung (bloß weg und etwas anderes machen), was aber in den letzten Tagen ziemlich abgeflaut ist. Ich wurde ziemlich pessimistisch und glaube jetzt nicht mehr daran, daß dort draußen irgendein Glück auf mich wartet, ohne dafür etwas tun zu müssen. Wahrscheinlich werde ich mir dort auch wieder angehängt und unterdrückt oder wertlos vorkommen - so sprudelten dabei heute die Vermutungen.
Das Gespräch verlief sogar recht angenehm und jetzt beim Schreiben am Abend wundere ich mich, wieso ich da heute so desinteressiert war, wo ich doch schon fast zwei Wochen darauf gewartet hatte. Ich werde es doch versuchen, allein schon aus Interesse an einer Veränderung einer anderen Perspektive damit - vielleicht ist auch eine Niederlage heilsam genug, daß ich mich gerne zurückbesinne. Die Veränderung ist aber unleugbar das, wo es mich hinzieht.

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