Ich weiß nicht, was das heute war: Auf dem Heimweg von der Arbeit hatte ich einen eigenartigen, starken Anfall von Selbstzweifeln. Alles, was ich gestern geschrieben habe, kam plötzlich in mir hoch und ich fühlte mich sehr schlecht dabei. Ich hatte Beklemmungen, fühlte mich verfolgt, ängstlich und peinlich, wie der letzte Trottel. Die ganze Umgebung war wie gegen mich. Ich fing sogar an, auf dem U-Bahnsteig Selbstgespräche zu führen wie ein Verrückter. Die anderen interessierten mich gar nicht mehr, irgendetwas sehr Unangenehmes platzte aus mir heraus. Sogar Selbstbeschimpfungen tauchten auf und ich lief ziellos herum, ohne Ausweichmöglichkeit.
Etwas später fühlte ich mich, als halte ich den Kontakt gar nicht aus mit wirklichen Leiden und Unklarheiten von anderen. Ich bin dem nicht gewachsen. Wie ein geschlagenes Tier saß ich dann zurückgezogen in einer Ecke im Zug und kam zittrig zu Hause an.
Das Thema Lebenskraft im Wiki schien mir heute fast unlösbar, wo ich gestern noch überschwappte vor Ausdehnung und Schaffenskraft. Ich merke, daß ich mich da erstmal losmachen muß von der bisherigen, schleppenden Beschäftigung, anstatt mich davon beeinflussen zu lassen. Es ist, als fasse ich in ein alte, verstaubte Kiste. Jetzt braucht es erstmal etwas Neues und frische Luft.
Ich habe mir nochmal die Aufnahme von Bernd Senf angesehen, denn ich habe jetzt erst gemerkt, daß da doch noch ein Teil nicht funktioniert hatte. Da erfährt man aber eher wenig. Ich kannte die drei Namen (Reich, Gesell, Schauberger) schon und habe einen groben Überblick über deren Entdeckungen, so daß da inhaltlich nichts für mich drin war.
Er geht hauptsächlich auf Reich ein. Umso erstaunlicher fand ich, daß er die zentralen Themen, die einen bei Reich sofort selbst betreffen, nämlich ungehemmte Sexualität und Funktion des Orgasmus, eigentlich nicht benutzt (wenn ich mich jetzt richtig erinnere). Ich habe dann noch einige Stellen übersprungen, indem ich immer die Ablaufanzeige ein wenig weiterzog. Durch diese kurzen Schlaglichter wurde es mir auf einmal viel klarer, wie der Mann eigentlich spricht. Es bleibt alles auf einer harmlosen, unverfänglichen Ebene mit typischem akademischen Jargon und es geht deswegen auch nicht über das Niveau der Brisanz einer normalen Univorlesung hinaus. Ich finde es berechtigt und sogar wichtig, was der Mann zu sagen hat, aber für mich hat etwas auf dieser Ebene schon lange seinen Reiz verloren. Mich interessiert, was ich selbst erfahren und nachvollziehen kann, wo ich etwas für mein eigenes Leben entdecken kann. Es ist diese Qualität, die mir sofort unter die Haut geht. Das, was mir aus jeder Zeile von GLR entgegenkommt und in dem er unübertroffen ist.
Ganz sicher spricht Bernd Senf nicht die harmlose, unverfängliche Ebene an. Vielmehr hat er begriffen, daß sexuelle und wirtschaftliche Unterdrückung, sowie religiöse Bevormundung Hand in Hand gehen. Seine Vorträge sind ganz im Gegenteil von allergrößter Brisanz, allerdings machen sich die “Führungseliten” wenig Sorgen darüber, denn sie haben rechtzeitig die Verdummung der Bevölkerung durch geschickte Steuerung ihrer Massenmedien eingeleitet. Bernd Senf arbeitet in die andere Richtung. Dafür verdient er volle Anerkennung, die Du ja nur recht spärlich verteilst und schon gar keine Bagatellisierung. Jeder hat natürlich das Recht, sich für andere Autoren zu interessieren. Aber Vergleiche hinken doch meistens nur.
Hallo, dem Abschnitt über Senf Bagatellisierung zu unterstellen finde ich schon richtig kreativ bei den Haaren herbeigezogen. Da steht meine Meinung über das besagte Video und keine Gesamtkritik.
Es wäre doch viel einfacher, den Mann einfach so zu verunglimpfen.
Ich habe aber deswegen verlinkt, weil es mir darum gar nicht geht (ganz im Gegenteil - muß ich das wirklich noch dazusagen?)
Und wieso sollte ich damit hinter dem Berg halten, wenn ich etwas noch viel Tiefgreifenderes und Berührenderes kenne?
Hallo Marco,
schade eigentlich, daß Du hier der eindimensional vergleichenden Betrachtungsweise den Vorzug gibst. In diesem Umfeld hätte ich mehr erwartet. Ich wies auf den Zusammenhang der verschiedenen Formen von Unterdrückung und Bevormundung hin, deren Gegenspieler meiner Meinung nach auf keinen Fall gegeneinander ausgespielt werden sollten. Denn das spielt nur wieder der Verdummung in die Hände. Natürlich braucht niemand mit seiner Freude und Begeisterung hinter dem Berg zu halten – ich mach das auch nicht.
Mit freundlichem Gruß
Klaus
Hallo Klaus,
Ich bin auf Dein Spiel reingefallen: Du unterstellst dem ursprünglichen Text erst etwas, um mir dann nach einem Hinweis darauf mit noch verfestigterer Meinung zu kommen. Du willst ja geradezu nur eine Bestätigung Deiner Sichtweise.
Allein schon mit dem Wort “Umfeld” kann ich nichts anfangen, weil ich nicht weiß, was Du damit meinst. Wenn Du Dich so gut auskennst, hättest Du ja auch etwas Positives beitragen können.
Ich stimme Dir im Prinzip sogar zu, dort an diesem entfernten Punkt. Nur, wie schon im Text steht, ist mir die gesellschaftliche Ebene viel zu abstrakt und zu weit weg. Das interessiert mich nicht.
Ich erhebe außerdem keinerlei Anspruch in bezug auf Außenwirkung, den Du vielleicht hineininterpretierst. Was ich aufschreibe, sind nur meine Eindrücke.
Ich glaube nicht an irgendwelche Befreiungsbewegungen und Alternativprogramme, die etwas verbessern würden.
Die Kritik “eindimensional” finde ich außerdem eine grausame Gleichmacherei aus Ahnungslosigkeit. Es geht hier um etwas ganz anderes.
Gruß
Marco
Hallo Marco,
also, ich bin von GL`s Seite auf Deine gekommen und das war dann für mich das Umfeld. Konntest Du nicht unbedingt wissen - mein Fehler.
Ich finde das gut und akzeptiere es, wenn Du hier Deine Eindrücke niederschreibst. Da Du aber Platz für Kommentare gegeben hast, habe ich dort eben meinen Eindruck hinterlassen - ohne die Illusion, dafür Bestätigungen abholen zu können. Was die Botschaft von Bernd Senf angeht, da liegt die Ahnungslosigkeit wohl mehr auf Deiner Seite. Aber alles hat seine Zeit. Und ich will hier auch gar nicht weiter stören.
Gruß, Klaus