Die letzten beiden Tage habe ich fast nur geschlafen und gegessen. Es ist immer noch etwas da von der Krankheit. Ich fühle mich zwar besser, aber etwas arbeitet noch spürbar.
Ich habe immer wieder versucht, die Lösung zur Verstandessucht zu untersuchen, das Selbstgewahrsein praktisch zu finden und auszuprobieren. Zwischendrin habe ich wieder gar nichts verstanden und mir alles Bisherige dazu durchgelesen, ebenfalls den ersten Teil im Wirkgilde-Buch.
Ich bin soweit gekommen: Alles, was ich versuche oder bisher als “Lösung” finden wollte, war nur immer im Verstand. Es geht dann um etwas, das ich nicht kenne, aber mir vorstelle, daß es etwas geben müßte. Ich steigere mich dann immer mehr hinein in eine verbohrte Vorstellung von etwas Geistigem. So kann das nicht funktionieren. Darauf wurde ich schon hingewiesen, daß ich grundsätzlich zuerst den Verstand einschalte bevor ich überhaupt auch nur auf eine andere Möglichkeit kommen könnte.
Die Aufmerksamkeit auf dem Empfinden zu existieren ist etwas ganz anderes. Zuerst hatte ich entsprechend einem früheren Irrtum gemeint, das wäre die “andere Richtung”. Also nicht “rauf” oder noch höher ins Geistige (s.o.), sondern “runter” in den Körper. Aber das stimmt so auch nicht. Dann stiere ich eben auf den Körper statt auf Gedankenreaktionen im Verstand. Aber eine Lösung ist das genausowenig. Auf den Körper zu schauen ist auch nur mittelbar, also eigentlich genauso der Verstand, wenn vielleicht auch etwas handfester, weniger flüchtig und verwirrend. Die unbewußten Reaktionen auf den Verstand gehen dabei aber weiter, auch wenn vielleicht bei äußeren Handlungen ein kleine Veränderung stattfindet (etwas weniger durcheinander oder achtlos). Beim Existieren zu bleiben ist dagegen unmittelbar – sonst könnte ich ja schon gar nichts wahrnehmen.
Das kann besser untersucht werden, wo ich gar nichts mehr tue. Dazu hatte ich jetzt genügend Gelegenheit, z.B. dazuliegen mit geschlossenen Augen und dazubleiben, darauf achten, was vor dem Einschlafen und vor allem nach dem Aufwachen geschieht. Was ist anders, wenn ich gerade aufgewacht bin? Da ist immer noch etwas gleich wie im Schlaf, doch dann kommen Sinneswahrnehmungen und Handlungen dazu, die anfangs noch etwas unverwandt ablaufen, später bin ich dann fester damit verbunden. Das Empfinden nach dem Aufwachen, daß da noch etwas gleichgeblieben ist, weist genau auf dieses Wissen, zu existieren. Ich finde das Wort Wissen nicht passend, denn es ist kein Wissen im Kopf wie etwas, das ich gelernt habe, sondern es ist ganz fraglos, nicht etwas, daß ich mir erst aus der Erinnerung abrufen oder sonst mental überprüfen müßte. Deswegen ist es wahrscheinlich auch so vergessen, weil es eben gar nicht erst im Verstand auftaucht. Das klarer auszumachen und mit der Aufmerksamkeit dorthin zurückkommen zu können ist meine momentane Lösung zur Verstandessucht.
Mit diesem Anhaltspunkt, wenn die Aufmerksamkeit dort ist (praktisch), ist klar, daß der Verstand sich überhalb abspielt und auf unzählige Weise mehr aus einer Situation macht, alle möglichen Auswirkungen und Fortgänge berechnet, Angst vor der Unsicherheit hereinbringt und sie dann wieder zu lösen versucht oder auf der anderen Seite mehr herauszuholen versucht durch Hineinsteigern und künstliches Verstärken von Emotionen.
Das sind Versuche, wenigstens meine Gedanken dazu etwas zu ordnen. Es gibt noch viele Auswirkungen und Implikationen, z.B. der schwelende Zusammenhang mit dieser Kraft/Wut/Zorn, die ich gar nicht absehen, vorwegnehmen oder nur denken kann. Dann wird das ganze erst wirklich wirksam und dann geht es erst los. Ohne auf den Verstand zu schauen ist gar nichts mehr festgelegt, kein Berechnen und kein Taktieren mehr. Dann weiß ich selbst nicht, wie ich auf etwas reagieren werde, bevor ich nicht direkt in der Situation bin. Dieses ganze Selbstkontrollieren und sogar die Vorstellung, daß ich das könnte oder sollte, gehört alles zum Verstand. Ich merke vage, daß das bei mir noch sehr sehr stark und tief verankert ist. Ich habe fast mein ganzes Leben versucht, meine Beweggründe und Sehnsüchte nach außen zu verstecken, geschweige denn sie direkt zu verfolgen und für mich einzustehen. Ich habe das alles schon früher geschrieben, doch vielleicht kommt das immer wieder, auf anderen Ebenen und in anderen Bereichen, vielleicht ist das auch einfach ein Hauptthema, worum ich noch länger kreise.
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