Ich habe den Verdacht, mich im letzten Eintrag verbastelt zu haben. Deswegen ganz konkret: Im Botanischen Garten erlebte ich alles auf eine bestimmte Art. Die alltäglichen Erlebnisse laufen auf einer bestimmten Ebene des Denkens ab, die auf eine Weise dünner wird oder mehr an der Oberfläche abläuft, als würde es sich immer mehr nach außen bewegen. Ich sehe nur zu, ohne irgendwie anders oder besser sein zu wollen. Ich strenge mich überhaupt nicht mehr an.
Das Leben (”außen”) und meine Erlebnisse (”innen”) sind untrennbar, bzw. dasselbe. Ob es sich um das Verkaufen, das Lernen von Pflanzennamen oder sonst etwas handelt, ist völlig egal. Darunter liegt etwas ganz anderes, und was ich tue, lerne, sage usw. ist dafür völlig bedeutungslos.
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Den Markt empfand ich fast wie einen Menschen-Zoo. Alle Arten gab es dort. Überspannte High-Society-Leute, die sich noch im Satz umdrehen und weggehen, als hätten sie vorher nie ein Wort mit dem Gärtner gesprochen, mit dem sie sich unterhalten hatten, sobald sie erfahren, daß es sich nicht um einen Mitarbeiter des Botanischen Gartens handelte, sondern um einen “gewöhnlichen Menschen”. Der ist dann unter der Würde ihrer erhabenen Aufmerksamkeit, obwohl sie im Grunde natürlich genau die gleichen triebgesteuerten, hilflosen, ahnungslosen Tiere sind – nur vielleicht im besseren Gewand – aber nicht einmal die Ausdrucksweise ist besser, eher noch schlimmer, mit den hörbaren Verweisen auf Verborgenes, Verdrängtes, Abgespaltenes.
Dann gab es die üblichen alten Pflanzen-Damen. Die Paare, bei denen er trägt und zahlt, während sie einkauft und bestimmt, usw. Ich schreibe hier nur platte Stereotypen, weil es eben genau nur das war. Schema-Menschen, die sich in ihren Rollen bewegten – ob das jetzt die Rolle des Reichen, Angesehenen oder des ausgestoßenen Sonderlings war, die der erfolgreichen Frau, die der Mutter, usw. Jeder bekommt eine Rolle zugewiesen und nimmt sie auch noch dankbar an. Zwischen den Ausstellern und Gärtnern fühlte ich mich zweischneidig. Einmal läuft da einiges freier und unverstellter ab, aber gleichzeitig schreckte ich auch vor Grobheit, Lautheit und allen möglichen Abhängigkeiten zurück. Ich frage mich, wer überhaupt einigermaßen normal und gesund ist.
Ich merkte dabei, ich suche immer noch nach Gleichklang und Übereinstimmung. Ich suche einen Anlaufpunkt oder “meine Rolle”. Das ohne Wertung zu sehen, zeigt es als naiv und unselbständig. Jemand, der weiß was er will und wer er ist, braucht keine anderen und keine Rollen, um sich festzuhalten, sondern er lebt selbständig.
Ich fühle mich nirgendwo zugehörig, sondern allein. Es geht auch gar nicht anders. Selbst wenn mich die Pflanzen interessieren und ich äußerlich mit den Menschen zu tun habe, fehlt etwas. Innerlich habe ich mit niemand oder besser: mit keiner der vorhandenen Rollen zu tun. Selbst wenn ich Gärtner wäre oder werde, ist das so. Etwas fehlt, ein ganz bestimmter Bereich. Und nur dem fühle ich mich zugehörig. Dort geht es um Empfinden, um Aufrichtigkeit und Offenheit, um vorsichtiges Zuhören und Leben.
Mich interessieren die Besonderheiten von immer neuen Züchtungen und deren unzählige Variationen zu wenig. Ein Züchter oder Sammler werde ich wohl nicht werden. Vielmehr fehlt mir die Feinheit und Wahrheit, der eigentliche Wert der ganzen Angelegenheit. Es geht mir nicht um ein eher wissenschaftliches Interesse an botanischen Besonderheiten, nicht nur um hübsche Blüten, nette Gärtchen oder Entspannung. Mir fehlt ein Blick für das Ganze und für dessen Wert. Mich interessiert dieser Bereich einer bestimmten, ungenutzten Empfindungsfähigkeit – eine übergangene, menschliche Möglichkeit, sich ganz zu erfahren und anzukommen. Das Wichtigste an einem Garten ist für mich die Ausstrahlung und die Wirkung als Gesamtheit in dieser Hinsicht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das verständlich ist, weil ich selbst zu unklar darüber bin. Ich weiß auch nicht, ob überhaupt jemand soetwas will? Aber andersherum: Wo geht einer hin, der einen “bewußten”, innerlich wertvollen und wirksamen Garten will?
Ich bin noch sehr unklar über das, was ich schreibe. Es sind nur Schemen.
Momentan geht es nur um die Details, die es zu lernen gibt. Denn nur so geht es für mich. Wenn ich von “oben” käme und z.B. Landschaftsarchitektur studieren würde, käme ich aus der Unsicherheit und Angst gar nicht mehr heraus. Ich muß immer wissen, wovon ich rede, denn bei mir geht es in jeder Hinsicht nur immer “bottom-up”. Und dabei geht es nicht darum, was und ob am Ende dabei überhaupt etwas herauskommt. Genauso war es ja auch bei den Rechnern. Ich habe mit den Konzepten (top-down) in der Uni immer Probleme gehabt. Verstanden hatte ich erst etwas, wenn ich es für mich übersetzen, es programmieren und praktisch damit umgehen konnte.
Wo mich das hinführt und welche Rolle ich zu erfüllen habe und ob das alles überhaupt einen Sinn hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß es sich richtig anfühlt, nichts anderes zu wollen, als was sich gerade ergibt. Wenn ich damit grundsätzlich übereinstimme, dann ist der tägliche Pendelausschlag in die eine oder andere Richtung unerheblich. Dann ist soetwas wie Gleichmut überhaupt erst möglich. Vorher ging das nicht, denn etwas in mir rebellierte noch. In selbstauferlegten Abhängigkeiten, Konditionierungen oder anderen Verstrickungen zu verharren, um dort demgegenüber Gleichmut zu entwickeln ist genauso fehl am Platz, wie sofort etwas am Wahrgenommenen verbessern und herumbasteln zu wollen beim ersten Anflug von genauerem Klarwerden über die eigene existentielle Situation.
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